Und selbst seine ärgsten Gegner hätten ihm das wohl nicht gewünscht. Es ist ein in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einmaliger Vorgang, dass eine Staatsanwaltschaft die Aufhebung der Immunität des Staatsoberhaupts beantragt.
Es gibt aber keinen Automatismus, dass Wulffs Präsidentschaft nun enden müsste. Eine bewährte Faustregel sagt, dass 70 bis 80 Prozent aller Fälle, in denen Staatsanwälte mit einem Anfangsverdacht ermitteln, wieder eingestellt werden.
Das gilt natürlich auch für Bundespräsidenten und auch für Christian Wulff. Allein deshalb schon sollte der Bundestag zügig die Immunität des Bundespräsidenten aufheben. Denn erst förmliche Ermittlungen können überhaupt belegen, ob es einen begründeten Verdacht gibt.
Es wäre aber der falsche Ansatz, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel nun darauf setzen würde, dass die Staatsanwaltschaft Hannover über die Zukunft von Christian Wulff entscheidet. Diese Entscheidung darf nicht juristisch fallen, sie muss politisch fallen. Obwohl rein formal niemand Wulff zum Rücktritt auffordern kann, wäre es schwer vorstellbar, dass er sich halten kann, wenn Merkel und die schwarz-gelbe Koalition ihm den Rückhalt entziehen.
Politisch ist Wulff schon lange nur noch schwer vermittelbar. Der Bundespräsident hat als niedersächsischer Ministerpräsident Vorteile angenommen, die vielleicht nicht strafrechtlich relevant sind, die aber seine Autorität unwiderruflich beschädigt haben. Schon jetzt wird jedes Wort, jede Geste des Bundespräsidenten gewertet und gewichtet - nicht auf den Inhalt hin, sondern nach Nebenklängen im Licht all der Urlaube, Hotelaufenthalte und Handyverträge, die er angenommen hat. Je länger diese Farce dauert, desto unerträglicher wird sie.