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Merken   Drucken   09.08.2012, 19:34 Schriftgröße: AAA

Bundespräsident neuer Ehrenbürger Rostocks: Gaucks kostbares Geschenk

Joachim Gauck ist wieder Rostocker: Seine Heimatstadt hat den Bundespräsidenten zum Ehrenbürger ernannt. Der 72-Jährige ist tief bewegt - und Rostock erleichtert, nach den Nazi-Schlagzeilen um Olympia-Ruderin Drygalla und ihren NPD-Freund wieder auf der Seite der Guten zu stehen.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Bernd Wüstneck
Joachim Gauck ist wieder Rostocker: Seine Heimatstadt hat den Bundespräsidenten zum Ehrenbürger ernannt. Der 72-Jährige ist tief bewegt - und Rostock erleichtert, nach den Nazi-Schlagzeilen um Olympia-Ruderin Drygalla und ihren NPD-Freund wieder auf der Seite der Guten zu stehen.

"Die Ehrenbürgerwürde ist ein kostbares Geschenk für mich", sagte Bundespräsident Joachim Gauck in Rostock. Die Ostsee-Stadt, die lange seine Heimat war, hat Gauck am Donnerstag zum Ehrenbürger ernannt. Der 72-Jährige, der dort viele Jahre als evangelischer Pfarrer wirkte und später die Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin leitete, nahm tief bewegt die Auszeichnung in der Marienkirche entgegen. "Ich finde es schön, dass Sie mich an eine Zeit erinnern und dafür geehrt haben, die die größte meines Lebens war", sagte er vor den rund 900 Gästen des Festakts.

Nach der etwa eineinhalbstündigen Zeremonie nahm Gauck auf dem Weg zum wenige Meter entfernten Rathaus ein Bad in der Menge. Viele hundert Rostocker hatten sich auf dem Neuen Markt versammelt und zeigten sich dankbar, dass Gauck sich Zeit für sie nahm und für viele ein freundliches Wort hatte. Die Pfiffe einiger Gegner Gaucks fielen da kaum ins Gewicht.

"Befreiung zu erleben und sie selber gestalten zu dürfen, darüber geht nichts. Keine andere Ehrung, kein anderes Amt, auch nicht das eines Präsidenten." Bewusst hielt sich Gauck in seiner Rede zurück mit Details zu den Gefühlen aus der Zeit des politischen Umbruchs in der DDR: "Dann kommt wieder das Wasser in die Augen", sagte er.

Gauck erhielt die höchste Würdigung der Stadt "für seinen hohen persönlichen Mut und sein Engagement für Demokratie und Freiheit". Während der Friedlichen Revolution in der DDR 1989 hatte der frühere Pastor in Rostock eine tragende Rolle gespielt. Die Kirche, in der er geehrt wurde, gilt als einer der zentralen Orte der Stadt während des Umbruchs im Herbst 1989. "Der kirchliche Raum wurde zur Gebärmutter der Friedlichen Revolution", sagte Gaucks Rostocker Weggefährte Christoph Kleemann. "Deine Rolle, lieber Joachim Gauck, bestand in einem unverwechselbaren Sprachrohr der Erniedrigten, die den aufrechten Gang übten."

Der Bundespräsident machte deutlich, dass Demokratie nie am Ziel sei. "Wie lieben sie, weil sie uns den Raum gibt, wir selbst zu sein." Das sei in keiner anderen Gesellschaftsform möglich, betonte Gauck. Die Diktatur habe ihm mit der Bürgerwürde um das Wichtigste gebracht, das einen Menschen in einer Gesellschaft auszeichne. "Ich war wie alle enteignet, mich hatte man um meine Würde gebracht." Er forderte die Deutschen auf, sich stark zu machen für die Gesellschaft und die Demokratie. Den jungen Menschen rief er zu: "Glaubt niemals, dass Ihr zu schwach seid für die Zustände dieser Welt."

Gauck ist der dritte Rostocker Ehrenbürger seit 1990 - auch der Schriftsteller Walter Kempowski (1929-2007) wurde so geehrt. Die Ernennung des Bundespräsidenten war im April von der Bürgerschaft beschlossen worden, allerdings ohne die Stimmen der Linken, deren Spitzen dem Festakt auch demonstrativ fernblieben. Die Initiative hatten Rostocker Bürger schon lange vor der Wahl Gaucks zum Bundespräsidenten ergriffen.

  • dpa, 09.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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