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Merken   Drucken   26.11.2012, 09:51 Schriftgröße: AAA

Bundestagswahl 2013: Das Kreuz mit den Wahlumfragen

Kommentar Bei den Meinungsforschern liegt Rot-Grün klar in Führung. Deshalb ist Steinbrücks wichtigste Zielgruppe im Moment die Wählerschaft der Linken. Dass Angela Merkel die Beliebtheitsskala anführt, kann dem SPD-Kandidaten dabei egal sein.

Jede Woche kommen in Deutschland mindestens zwei Umfragen zur Bundestagswahl auf den Markt. Derzeit sagen die sechs Institute Allensbach, Emnid, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, GMS und infratest-dimap alle mehr oder weniger das gleiche Ergebnis voraus: Einen deutlichen Ursprung von Rot-Grün, der ganz knapp nicht für eine absolute Mehrheit im Bundestag reicht. Nanu, werden Sie als Leser jetzt denken? Das hab ich doch zuletzt ganz anders gelesen.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück   SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

Stimmt. Viele Meinungsforscher und Medien interpretieren ihre eigenen Umfragen nämlich recht seltsam. Da heißt es immer, Rot-Grün liege hauchdünn vor Schwarz-Gelb. Das ist mathematisch zwar richtig, wenn man die Prozente zusammenzählt. Aber alle sechs Institute sehen die FDP bei vier Prozent. Das sind nun einmal genau null Mandate im Bundestag, weshalb Schwarz-Gelb in der Sonntagsfrage auf reale 36 (Forsa) bis 39 (Infratest) Prozent schrumpft, nämlich die Prozente der CDU/CSU.

 

Denn der Sinn der Sonntagsfrage ist es ja, die Zusammensetzung des Bundestages vorherzusagen für den Fall, das gerade jetzt Wahl wäre. Jedes Institut arbeitet etwas anders, die einen gewichten stärker nach langfristigen Ausrichtungen als andere, Allensbach befragt live und nicht am Telefon. Aber alle kommen zum gleichen Ergebnis: Der nächste Bundestag hätte nur vier Fraktionen aus fünf Parteien: CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke. Keine FDP und keine Piraten im Bundestag (nur Forsa gab denen vergangene Woche noch 5 Prozent). Wie sähe so ein Bundestag aus? SPD und Grüne zusammen kommen derzeit auf etwa 44 Prozent in den Umfragen. Da bis zu 13 Prozent der Stimmen auf Parteien entfallen, die nicht in den Bundestag kommen, erhalten die, die drin sind, entsprechend mehr Mandate. SPD und Grüne bekämen zwischen 48 und 49 Prozent der Sitze, die CDU rund 43 Prozent, den Rest die Linke. Rot-Grün würden im Bundestag gerade einmal zehn Sitze zur Mehrheit fehlen. Im aktuellen Bundestag beträgt der Abstand der beiden zur Kanzlermehrheit 68 Sitze.

Rechnet man zurück auf die Wählerschaft, wären SPD und Grüne mit deutlich unter einer Million zusätzlicher Stimmen gegenüber heute auf der sicheren Seite und Peer Steinbrück trotz seiner vielen Anfangsfehler Kanzler. Was Rot-Grün derzeit vor allem im Weg steht, ist die Partei die Linke. Deshalb ist es gar nicht verwunderlich, dass Steinbrück derzeit der eigenen Parteilinken entgegenkommt und die SPD Angriffspunkte von links wie die Rentenpolitik zu entschärfen versucht. Die Wähler der Linken und Teile der SPD-Basis sind es, die mit seinen üppigen Redehonoraren die meisten Probleme haben und motiviert werden müssen. In der bürgerlichen Mitte machen derzeit eher die Grünen der Union das Leben schwer, das muss im Moment nicht Steinbrücks Priorität sein.

Die Wahlstrategen der CDU wissen das sicher genau. Aber natürlich tun die Berater der Kanzlerin ganz verwundert, dass der Gegner Angela Merkels nicht um die Mitte kämpft. Und viele Beobachter schließen sich dieser Meinung an.

Die Umfragen zeigen, dass Rot-Grün durchaus eine Chance auf einen Wahlsieg hat. Es gibt aber auch ein paar gewichtige Gegenargumente: Schwarz-Gelb ist zwar beim Wähler unten durch, aber es gibt keine Wechselstimmung gegen Angela Merkel. Da der Bundestag gewählt wird und es keine Direktwahl des Kanzlers gibt, kann der Herausforderer unbeliebter sein als die Amtsinhaberin, aber der Abstand darf nicht so groß wie jetzt sein. Und die SPD kann sich nicht darauf verlassen, dass die FDP unter fünf Prozent bleibt. Viele CDU-Wähler werden am Ende ihre Zweitstimme der FDP geben, die CDU wird deshalb in ihrem Höhenflug gebremst werden. Aber für solche Spekulationen, egal wie plausibel sie sind, sind Umfragen nicht da. Sie zeigen die gegenwärtige Stimmung und nicht, was daraus werden könnte. Und gegenwärtig gibt gäbe es eine relative Mehrheit von Rot-Grün und eine klare absolute Mehrheit von Parteien links der Mitte im Bundestag. In eine korrekte Berichterstattung über Umfragen kann man die FDP nicht einfach in den Bundestag hineinrechnen.

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  • Aus der FTD vom 26.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 26.11.2012 12:34:46 Uhr   unwichtig: Steinbrück

    ...eine kleine Ungereimtheit ist mir aufgefallen: in der Grafik "Kanzlerfrage" wird "Steinmeier" abgebildet....

  • 26.11.2012 12:09:50 Uhr   Toni-Ketzer: @Nichtwähler
  • 26.11.2012 10:38:33 Uhr   Nichtwähler: Sontagsfrage?
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