Der eine hat es gemacht. In knapp drei Wochen wollen die Grünen auf einem kleinen Parteitag nach Monaten interner Debatten endlich entscheiden, wer sie in den Wahlkampf 2013 führen soll - und vor allem, wie viele. Und Fraktionschef Jürgen Trittin hat nun tatsächlich sein allseits erwartetes Interesse an dem Job öffentlich bekundet. Ja, ich will, sagte er dem "Spiegel".
Der andere, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), hat es noch nicht gemacht - und bekommt jetzt von anderen gesagt, dass er es nicht machen soll. Ausgerechnet Steinbrücks früherer Sprecher Torsten Albig, derzeit Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, legte seinem ehemaligen Chef in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" mitfühlend ans Herz: "Tu dir das nicht an!" Stattdessen empfiehlt Albig Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier als geeigneteren Kandidaten. Er wäre ein guter Kanzler, Führungspersönlichkeit und sehr gereift, so der Kieler Regierungschef.
Vollreif geworden ist mit den Offenbarungen vom Wochenende vor allem eines: die Kandidatendebatte. Denn richtig umstrittene Themen, die sich für die rot-grünen Stammtische in den kommenden Monaten eignen, gibt es derzeit nicht. Die Krise stoppen? Selbstverständlich, das wollen alle Parteien. Energiewende fortführen? Dagegen kann kaum jemand sein, und schnell muss es gehen. Die Banken regulieren? Sofort, alle miteinander.
Zum Glück gibt es deswegen das Kandidatenraten. Bei der SPD hat Albig noch nichts zur dritten Option gesagt, Parteichef Sigmar Gabriel, der auch gern Kanzlerkandidat würde. Und bei den Grünen sind es gleich drei Damen, von denen es heißt, sie wollten: Die linke Parteichefin Claudia Roth, die immerhin schon ihre Bereitschaft erklärt hat, Realo-Fraktionschefin Renate Künast, der manche es nicht, andere wohl zutrauen, und Realo-Frau Katrin Göring-Eckardt, von der keiner weiß, was sie will und was sie nicht will. Einzige Bedingung: Sie muss als Pendant zum Linken Trittin passen und dem Parteimitglied gefallen. Denn dieses soll notfalls via Urwahl bis Ende November entscheiden, wer und wie viele Kandidaten es werden sollen, Damen oder Pärchen.
Immerhin muss sich die SPD nicht um Frauenquoten kümmern. Trotzdem wird die Partei länger als bis Ende November diskutieren. Laut Steinbrück soll spätestens nach der Niedersachsen-Wahl entschieden werden - also Ende Januar. Bis dahin, vielleicht, gibt es dann endlich frische Themen.