Das bestätigte das Bundesinnenministerium. Grund für den schleppenden Fortschritt ist die schwierige Abstimmung zwischen den beteiligten Verwaltungen und die komplexe Technik.
Die bundesweite Behördenhotline 115 gilt als Prestigeprojekt in Sachen bürgerfreundliche Verwaltung. Bundeskanzlerin Angela Merkel präsentierte das Vorhaben vor knapp zwei Jahren auf ihrem ersten IT-Gipfel. Langfristig sollen alle Bundesbürger unter der 115 Auskunft von Behörden bekommen und einfache Verwaltungsakte erledigen können. Auch für die öffentlichen Haushalte hat das Projekt seinen Reiz: Zentrale Callcenter benötigen weniger Personal und entlasten die Sachbearbeiter in den Fachbehörden.
Großes Vorbild für das deutsche Bürgertelefon ist die zentrale Servicehotline 311 der New Yorker Stadtverwaltung. Dort sind die Behörden-Callcenter rund um die Uhr erreichbar. In Deutschland sind die Ansprüche mittlerweile nicht mehr ganz so ehrgeizig. Angesichts der komplexen föderalen Strukturen sollen zuerst einmal die Service-Einrichtungen vernetzt werden, die es ohnehin schon gibt. Für die IT-Branche ist dies eine kleine Enttäuschung. "In einigen Unternehmen waren die Hoffnungen anfangs wahnsinnig hoch", sagt Pablo Mentzinis, Bereichsleiter Öffentlicher Sektor beim IT-Branchenverband Bitkom. "Leider wird nun alles hier eine Nummer kleiner als in New York."
In knapp zwei Wochen soll beim dann dritten IT-Gipfel eine erste Bilanz der bisherigen Testphase gezogen werden. Dann dürfte auch das konkrete Startdatum für die Freischaltung von 115 feststehen. Im nächsten Jahr werden sollen zudem erstmals Bundesbehörden an dem Projekt beteiligt werden. Zu diesen gehören etwa die Bundesministerien für Familie und Senioren, Arbeit und Soziales sowie Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Generell herrscht auf der Bundesebene eine größere Begeisterung für das Projekt als in den Kommunen. So fand eine Studie der Beratungsgesellschaft Wegweiser unlängst bei einer Befragung von Verwaltungsmitarbeitern, dass 90 Prozent der Bundesbeschäftigten sich viel von der Servicenummer 115 versprechen. Bei den Kommunen und Kreisen beträgt der Zuspruch etwa 70 Prozent.