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Merken   Drucken   23.02.2005, 15:35 Schriftgröße: AAA

Bush-Visite: Besuch in einer Geisterstadt  

Die scharfen Sicherheitsvorkehrungen haben Mainz in eine Geisterstadt verwandelt. Die Politprominenz feiert sich selbst - die Mainzer mussten draußen bleiben. von Stephan Zimprich, Benno Stieber und Jörg Wagner
Passanten diskutieren an einer Absperrung in der Mainzer Innenstadt ...   Passanten diskutieren an einer Absperrung in der Mainzer Innenstadt mit Polizisten
Vor einigen Tagen klingelte in der "Martins-Stube" das Telefon. Das amerikanische Konsulat ließ anfragen, ob man nicht die Sicherheitskräfte verköstigen könne. Wie viele kommen würden, ließen sich die Diplomaten nicht entlocken, ebenso wenig eine genaue Uhrzeit. Wegen der Sicherheit. Wirt Sebastian Kluth hat trotzdem etwas vorbereitet. Viel Fleisch für die Amerikaner, Gulaschsuppe für 4 Euro, Wiener Schnitzel für 10 und Rumpsteak für 14 Euro. In der "Martins-Stube" versucht man, das Beste aus der Situation zu machen. "We are open for you", steht in etwas ungelenken Kreidelettern auf einem Schild vor dem Lokal. Potenzielle Gäste lassen sich auf der Straße allerdings nicht sehen - weder Deutsche noch Amerikaner. Die "Martins-Stube" liegt mitten in der Mainzer Sicherheitszone.
Die Sicherheitszone, in die man nur als Anwohner oder mit Akkreditierung gelangt, erstreckt sich auf einer Breite von mehreren Hundert Metern über eine Strecke von mehreren Kilometern entlang des Mainufers von der Kaiserstraße bis zum Südbahnhof. Auch die Kurfürstenbrücke, die wichtigste Verkehrsader zwischen Mainz und Wiesbaden, wurde gesperrt. Ein Rettungssanitäter feixt: "Nach Mainz kommt der Präsident, nach Wiesbaden nicht." Was auch daran liegen könnte, dass die Polizei auf der Wiesbadener Seite etwas übermotiviert zu Werke geht: Sie ließ nicht mal die eigenen Kollegen in Zivil durch - Weisung ist schließlich Weisung.
Ein paar Demonstranten haben es dennoch geschafft, die Sperren zu überwinden. Direkt vor dem Landtag stehen sie, halten "Bush swim home"-Schilder in die Luft und schwenken "Pace"-Fahnen. So ganz geheuer scheint es ihnen nicht zu sein, dass sie so weit vordringen konnten. Der Einsatzleiter der Polizei sagt: "Die Stimmung ist gut, die Musik ist gut, keine Probleme." Aus den Lautsprechern dröhnt "History repeating".

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