Im Traum sagte ich zu meiner Familie: "Wir werden nie wieder etwas kaufen können." Am Morgen war ich verstört, wehmütig schweiften meine Blicke über die Dinge, die wir mit 19 und 16 Prozent, die Relikte der Jugend, die meine Eltern mit 15, 14, 13, 12 und 11 Prozent, und jene Erbstücke, die Vorfahren wohl gänzlich ohne Umsatzbesteuerung gekauft hatten. Meine Biografie, dachte ich, ließe sich anhand von Mehrwertsteuererhöhungen erzählen. Das ist traurig.
Steuern sind das Leben. Als mein Sohn sechs Monate alt war, bekam er Post: "Das Bundeszentralamt für Steuern hat Ihnen die Identifikationsnummer XY zugeteilt. Sie wird für steuerliche Zwecke verwendet und ist lebenslang gültig. Sie werden daher gebeten, dieses Schreiben aufzubewahren." Gern hätte ich es meinem Sohn gegeben, um es mal kräftig zerknüllen und durchsabbern zu lassen und dann "MfG" zurückzuschicken.
Ich fürchte, dass mich die Mehrwertsteuererhöhung traumatisiert hat. Mein MwSt.-Nachtalb ist Folge der Debatte um eine erneute Erhöhung, geführt von Ökonomen, die ihre quadratmeterstarken Heime längst mit 10 bis 16 Prozent üppig eingerichtet haben.
Natürlich habe ich auch schöne Thementräume. Vor einiger Zeit war ich im Traum in einer großen Pyramide, in der die "Wasser der Wirtschaft" sprudelten. Sie waren eine Art Orakel, Ökonomen dieser Zeitung zogen sie für ihre Prognosen zurate. Ich denke, dass auch die weisen Wasser eine Mehrwertsteuererhöhung sehr blöd fänden.