Ein Bekannter hat ebenfalls zwei, kurzum: In meinem Umfeld herrscht ein heilloses Chaos. Ich finde es nicht gut, dass wir mit erhobenem Zeigefinger durch afghanische Mohnfelder spazieren, während bei uns Wahlunterlagen Pi mal Daumen in die Großstadtbriefkästen geschleudert werden. Ich habe das mit den alten Damen in unserem Haus auch besprochen, als ich ihre Wahlzettel ausfüllte.
Sicherlich wird sich nun mancher sagen: Ach, der wählt ja eh FDP oder die Partei der Heimatvertriebenen! Abwarten.
Wobei ich übrigens dafür bin, das Wahlgeheimnis im Büro aufzuheben. Kollegen und Vorgesetzte sollten wissen, woran sie sind. Wenn ich zum Beispiel wüsste, dass ein neuer Kollege Sozialdemokrat ist, würde ich sehr viel mehr Rücksicht nehmen, mich gleich erkundigen, ob er bei uns auch den Mindestlohn bekommt. Mit einem Liberalen würde ich ungleich härter umspringen. Wenn er sich um 21 Uhr aus dem Büro stiehlt, würde ich greinen: "Ach, ich dachte, du bist flexibel?" Wenn er renitent ist, könnte man ihm jeden Freitag scheinkündigen. Umgekehrt könnte man mit einem Kommunisten bestimmt gut Bilanzen fälschen, wenn man ihm sagt: "Das ist so was wie ein Fünfjahresplan. Und wenn alles auffliegt, ist unser Unternehmen am Ende. Und du bist doch gegen Unternehmen, oder?"
Also: Bitte wählen Sie. Und wählen Sie richtig. Sonst fechte ich alles an - und Sie müssen erneut einen Wahlkampf ertragen.