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  FTD-Serie: Grundschulen Spezial

In den Grundschulen wird der Grundstein für den Bildungsstandort Deutschland gelegt. Was tun die Länder, welche Modelle funktionieren? Ein Blick hinter die Kulissen.

Merken   Drucken   16.03.2006, 20:03 Schriftgröße: AAA

Checkliste Schulreform: Zehn Schritte zu einer besseren Grundschule

Zum Abschluss der Grundschulserie stellt die FTD die zehn dringendsten Baustellen vor. Wir zeigen, woran Eltern von ABC-Schützen ihre Landesregierungen messen sollten. von Friederike von Tiesenhausen, Berlin
Bildung ist allein Aufgabe der Länder. So wird es die Föderalismusreform voraussichtlich bestätigen. Viele Eltern sind darüber unglücklich. Die Verantwortung sei zu groß, klagen sie. Die schlechten Ergebnisse deutscher Schüler in internationalen Studien zeigten doch, dass die Bundesländer überfordert seien.
Aber die Reform kann auch ein Anstoß zu Reformen sein. "Wir Länder nehmen die Verantwortung ernst", verspricht die Präsidentin der Kultusminister, Ute Erdsiek-Rave (SPD) aus Schleswig-Holstein. Das Bewusstsein für Bildung sei so groß wie seit den 70er Jahren nicht mehr. Das Thema bestimme geradezu die Landespolitik, behauptet sie. Für Eltern ist das eine Chance, denn Eltern sind Wähler.
Die zehn dringendsten Reformen
Die FTD hat die zehn dringendsten Reformen zusammengestellt, an denen Eltern von Grundschulkindern ihre Landesregierung messen sollten. Denn der Pisa-Vergleich mit erfolgreichen Bildungsnationen führt zu zwei zentralen Erkenntnissen. Die öffentliche Hand in Deutschland räumt Bildung nicht die absolute Priorität ein, das zeigen die Ausgaben. Zum anderen kann Schule besser organisiert werden. Andere machen vor, dass ohne einen Wust von Vorschriften und mit modernen Unterrichtsmethoden viel mehr erreicht werden kann.
Erste Veränderungen sind bereits auf dem Weg. Seit Pisa rumort es im Schulsystem. Schwerpunkt sind dabei die Grundschulen. Insbesondere die Stadtstaaten sind aktiv. Eine Chance, diese Reformen zu überprüfen, wird die nächste Auflage der Iglu-Grundschul-Studie im Frühjahr dieses Jahres sein. Daran wollen sich erstmals alle 16 Bundesländer beteiligen.
Thüringen bietet die besten Bedingungen
Nach den aktuellsten Statistiken herrschen die besten Bedingungen derzeit in thüringischen Grundschulen. Die Ausgaben für Bildung sind hier hoch, die durchschnittliche Klassengröße sowie die Zahl der Sitzenbleiber niedrig. Vor allem aber sind die Leistungen international überdurchschnittlich. Das Ostland nahm nämlich schon als eines von wenigen Bundesländern an der letzten Iglu-Studie teil. Auch Bayern und Baden-Württemberg schnitten damals gut ab, bieten aber schlechtere Bedingungen in punkto Betreuung.
Gute Grundschule kostet Geld: Für mehr Lehrer und kleinere Klassen, für zusätzliche Erzieher und längeren Unterricht. Um das zu erreichen, müssen die Länder ihre Bildungsausgaben erhöhen. Das lohnt sich auch volkswirtschaftlich: Investitionen in frühe Bildung sind die sinnvollste Art, öffentliches Geld auszugeben. Aber vor allem westdeutsche Landespolitiker werden auf Grund sinkender Schülerzahlen in den nächsten Jahren in der Versuchung stehen, das Schulsystem zum Sparen zu nutzen. Sie würden sich selbst um die demografische Rendite bringen. Thüringen zeigt, dass es anders geht. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
Die OECD bemängelt, dass die Schulsysteme der Bundesländer zu rigide und zentralistisch organisiert sind. Dabei machen Staaten wie Finnland vor, dass weniger Gängelung von Schulen und Lehrern mehr Kreativität und Engagement hervorbringt. Bildungspolitiker müssen etwas sehr "Undeutsches" tun, wie es Bildungsministerin Annette Schavan ausdrückt: Davon abrücken, Schule als Verwaltungsaufgabe zu sehen. Einen Schritt in diese Richtung wagen zum Beispiel Schleswig-Holstein und NRW. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
Schulen müssen sich Lehrer selbst aussuchen und gute Leistungen belohnen können. Der ehemalige Leiter des Eliteinternats Schloss Salem, Bernhard Bueb, hat einmal gesagt: "Das Beamtentum für Lehrer ist die Pest und müsste sofort abgeschafft werden, weil es bei der Berufswahl zu häufig zum Hauptmotiv wird. Sicherheit und Versorgung lebenslang, dafür erträgt man unmotivierte Kinder wenigstens vormittags." Aber an den Beamtenstatus traut sich leider noch kein Bundesland ran. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
Ein gutes Bildungssystem muss die Konkurrenz von Privatschulen nicht fürchten. Im Gegenteil: Die von den Privaten erprobten Ideen können auch das staatliche Schulsystem bereichern. Größere Offenheit gegenüber privaten Neugründungen ist von Nöten. Hier liegt Bayern auf einem Spitzenplatz, während Privatschulen in den neuen Ländern noch am seltensten vorkommen. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
Die Bundesländer täten gut daran, sich zu gemeinsamen Mindeststandards in der Bildung zu verpflichten. Das hätte drei Vorteile: Mobilität würde erleichtert. Das Schulsystem wäre in die Pflicht genommen, wirklich jeden Schüler auf ein gewisses Niveau zu bringen. Und außerdem hülfen diese Standards bei Vergleichen. Denn ihre Einhaltung müsste in regelmäßigen Tests kontrolliert werden. Ein Vorreiter in punkto strengerer Schulinspektion ist Nordrhein-Westfalen. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
Deutsche Schüler beginnen ihre Schullaufbahn im internationalen Vergleich zu spät. Während in den Niederlanden bereits mit vier Jahren spielerisch gelernt wird, ist ein deutscher Schulanfänger im Schnitt immer noch sechs Jahre alt. Infolgedessen sind auch deutsche Berufsanfänger relativ alt. Positiv: Berliner Kinder beginnen ihre Schullaufbahn jetzt mit fünfeinhalb. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
Auf unterschiedliche Entwicklungsstufen bei den Jüngsten reagiert Schule am besten mit altersgemischtem Unterricht zumindestens in den ersten Klassen. Ansonsten verlieren viele Kinder schon zu Beginn ihrer Schullaufbahn die Freude am Lernen. Vorreiter beim altersgemischten Lernen ist Baden-Württemberg. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
Jedes Kind lernt anders. Auf unterschiedliche Stärken und Schwächen muss in Förderunterricht eingegangen werden. Dazu brauchen Lehrer Unterstützung durch Erzieher. Auch kleine Klassen helfen. Beste Bedingungen gibt es wieder in Thüringen. In Hamburg sind die Klassen am größten. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
Deutsche Grundschüler haben viel weniger Unterricht als Gleichaltrige in anderen Ländern. Dabei profitieren vor allem sozial Benachteiligte von längeren Unterrichtszeiten. Bei den Ganztagsangeboten liegen wieder Sachsen und Thüringen vorn, auch Berlin schneidet gut ab. Große Anstrengungen unternimmt Nordrhein-Westfalen. Hier sollen alle Grundschulen so genannte offene Ganztagsschulen mit freiwilligen Nachmittagsaktivitäten werden. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
Die Forschung weiß, dass junge Gehirne schneller Sprachen lernen. Wissenschaftler sprechen von Entwicklungsfenstern, in denen bestimmte Reize das Gehirn besonders gut erreichen. Das Sprachfenster schließt spätestens im achten Lebensjahr. Spitzenreiter bei Fremdsprachen für die Kleinsten ist Bremen, wo jeder zweite Grundschüler eine neue Sprache lernt. Schwach ist das Angebot noch in Brandenburg. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
Fein Von allen Bundesländern setzt Thüringen den stärksten Akzent auf die Bildung seiner jüngsten Landeskinder. Schlusslicht ist Bremen. Klein Auf Grund schwindender Bevölkerung haben die ostdeutschen Länder kleine Klassen. Westdeutscher Spitzenreiter ist das Saarland. Mit den größten Gruppen müssen sich Grundschullehrer in NRW und Hamburg auseinander setzen. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Wirtschaftsbücher - besprochen und bewertet von der FTD
  • Aus der FTD vom 17.03.2006
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