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Merken   Drucken   19.02.2011, 09:00 Schriftgröße: AAA

Copygate: Die große Guttenberg-Plagiatsammlung im Internet

Kopieren aus dem weltweiten Netz - das machen viele. Man kann es aber auch für andere Sachen nutzen. Zum Beispiel zur Aufklärung möglicher oder tatsächicher Schummeleien in einer Doktorarbeit. Wie der des Verteidigungsministers. von Julia Wehmeier
Im GuttenPlag Wikisammeln Kritiker von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mutmaßliche oder tatsächliche Plagiate, die sie in der Doktorarbeit des Ministers aufgespürt haben wollen. Nach dem Wikipedia-Prinzip können alle Interessierte mitarbeiten und über neue Funde diskutieren. Die Gegner des Adelssprosses liefern sich harte Wortgefechte mit den Anhängern
Guttenbergs Dissertation wird von Internetusern auf Plagiate ...   Guttenbergs Dissertation wird von Internetusern auf Plagiate überprüft
Der lockere Zusammenschluss der User nennt sich "kollaborative Dokumentation". Stück für Stück entsteht so eine lange Liste mit Gegenüberstellungen, die inzwischen weit mehr als 100 Einträge umfasst. Manche der als mögliche Abschreibungen "enttarnten" Auszüge aus der Dissertation sind nur wenige Sätze lang, andere zeigen seitenlange Übereinstimmungen mit anderen Werken. Die fleißigen Finder haben die kritischen Stellen aus Guttenbergs Arbeit jeweils in Tabellen neben die Original-Quellen gestellt.
Ob wirklich alle angegebenen Textstellen Plagiate sind, ist nicht sicher und schon gar nicht ersichtlich. Die Betreiber der Seite schreiben dazu: "Wir fordern jeden Leser dazu auf, die Informationen mit der gebotenen Skepsis zu sehen und kritisch zu hinterfragen." Viele der aufgeführten Funde waren bereits von Medien veröffentlich worden oder gehen auf Aussagen des Politikwissenschaftlers Andreas Fischer-Lescano zurück.
Nach dem Verzicht auf den Doktortitel ist Guttenberg...

 

Nach dem Verzicht auf den Doktortitel ist Guttenberg...

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Das Dokument ist als "Eine kritische Auseinandersetzung mit Karl-Theodor Freiherr zu Guttenbergs Dissertation Verfassung und Verfassungsrecht" überschrieben. Nach dem Start am Donnerstag war es über einen Service der Suchmaschine Google erreichbar, allerdings wegen Überlastung zeitweise nur schreibgeschützt. Weil zu viele User gleichzeitig darauf zugreifen wollten, musste die Überarbeitungsfunktion eingestellt werden.
Nach Angaben des Betreibers wurde der Ansturm zu groß, so dass das Dokument auf die Hosting-Seite Wikia umzog. Die Betreiber schreiben, die Aktion habe keinen politischen Hintergrund. Ziel sei auch, die wissenschaftliche Integrität eines Doktortitels zu sichern.
Viele Besucher der Seite sprechen den freiwilligen Mitarbeitern Lob aus. "Tolle Aktion! Weiter so!", ist zum Beispiel zu lesen. "Meinen Glückwunsch zu dieser Seite und der Arbeit, die hier geleistet wird!" Kritische Stimmen vermuten hinter der Aktion eine gezielte Kampagne gegen den Verteidigungsminister. "Ich finde das, was hier passiert regelrecht ekelhaft. Einen Politiker so zu diffamieren, nur weil er beliebt ist, ist einfach nur noch peinlich."
Antworten kommen sofort und zahlreich. Es sei keine Frage der politischen Ausrichtung oder Böswilligkeit, dafür zu sorgen, dass Plagiate geahndet werden. "Jeder, der seine Arbeiten ehrlich und mit ordentlicher Forschungsanstrengung verfasst, muss über diese Form der Dreistigkeit ins Mark erschüttert sein."
Ein User schreibt: "Als promovierter Jurist finde ich das Vorgehen von Herrn zu Guttenberg schlicht skandalös." Das Vorgehen der Wiki-Schreiber habe nichts mit Neid zu tun, sondern mit Enttäuschung. Ein anderer kommentiert: "Bin schon gespannt, wie die Politik in Deutschland dieses Problem lösen wird." Und: "Wie geht es weiter mit dem Superminister?"
Für Erheiterung sorgte ein Fundstück des Users "PlagDoc". Er war bei der Durchforstung des Internets auf ein Buch von Guttenbergs Großvater gestoßen, das 1971 erschien und Erinnerungen des Seniors enthält. Der Titel: Fußnoten.
  • FTD.de, 19.02.2011
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