Symbol einer untergegangenen Zeit: ehemalige Zeche Zollverein in Essen
Mehrfach getroffen
Über die Gründe für die Misere der Städte und Gemeinden sind sich die Verantwortlichen in den Rathäusern, ebenso wie die meisten Experten, einig: Die seit Jahren rückläufigen Steuereinnahmen wegen der anhaltenden Wirtschaftsschwäche treffen die Kommunen doppelt - über die weg brechende Einkommens- und die Gewerbesteuer, auch wenn es hier zuletzt eine leichte Besserung gab.
Zudem mussten die Gemeinden bis Jahresbeginn über die Sozialhilfe die Hauptlast der Dauerarbeitslosigkeit tragen. Auf der Ausgabenseite übertrugen ihnen dennoch Bund und Ländern zugleich immer neue Aufgaben, wie etwa die Ganztagsbetreuung für Kinder, ohne für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen. Dazu kommen eigene Fehlplanungen der Vergangenheit, als jede Stadt meinte, ihre Bürger mit Spaßbädern, einem eigenen Theater oder neuen Gewerbegebieten beglücken zu müssen.
Einigkeit besteht ebenfalls über die bedrohlichen Folgen für die Gemeinden. "Die kommunale Selbstverwaltung steht in Frage", sagt Reiniger: "Wenn nichts mehr da ist, ist auch nicht mehr viel zu gestalten." Von einer "existenziellen Krise" spricht gar Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit.
Haushalt überschuldet
Die niedersächsische Stadt Salzgitter hat sich kürzlich bereits als erste deutsche Großkommune für insolvent erklärt. Im Rahmen der doppelten Buchführung, statt der veralteten Kameralistik, hatte Kämmerer Ekkehard Grunwald erstmals alle Gebäude, Straßen, Brücken und Firmenbeteiligungen der Stadt bewertetet und den Schulden und Pensionsverpflichtungen gegenüber gestellt. Das Ergebnis: die gesamten Aktiva reichen nicht, die Verbindlichkeiten zu decken. Salzgitter, so Grundwald, ist überschuldet und müsste, wäre es ein Unternehmen, Insolvenz anmelden.
"Wir sparen uns duselig", klagt SPD-Oberbürgermeister Helmut Knebel. "Wir müssen den Bürgern die Dienstleistungen einschränken, dabei haben wir selber wenig Einfluss auf unsere Finanzen. Aber wir bekommen den Ärger."
Schon jetzt kehren der 108.000-Einwohner-Stadt Jahr für Jahr 1000 Bürger den Rücken. Sich wohnlich zu fühlen fällt in der 1942 als "Hermann-Göring-Stadt" gegründeten und aus sieben Gemeinden bestehenden Flächensiedlung ohne Kern ohnehin schwer. Zudem ist sie in hohem Maße von ihrem größten Arbeitgeber, dem Stahlkonzern Salzgitter, und dessen Wohlergehen abhängig. "Einen halbwegs gesicherten städtischen Haushalt aufzustellen ist heutzutage fast unmöglich", sagt Knebel.