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Merken   Drucken   22.02.2011, 19:47 Schriftgröße: AAA

Das Letzte: Eyzen ist das neue Duzen!

Glosse Der Ausruf ist eine Allzweckwaffe der modernen Kommunikation. Und er strahlt die Ruhe aus, die uns in dieser schnellen Zeit so häufig fehlt. von Malte Brenneisen
"Ey! Ich hätte gerne 500 Gramm von der Mortadella!" "Gerne, ey, darf es sonst noch was sein?" "Nein danke, ey." Es ist wieder da! Ey [eI] ist die moderne Höflichkeitsform von "Entschuldigen Sie bitte" oder "Verzeihung!" und begegnet mir wieder häufiger als Platzhalter in Fahrstühlen oder als Wegbahner in Gaststätten. Das neue Ey kann als Ausruf sowohl einen Satz einleiten als auch abschließen, ey. Es ist Teil der Soziolekte (zu Deutsch: Gruppenslang) und überwindet Sprachbarrieren, weil es multilingual einsetzbar ist. Wikipedia nimmt an, dass es ursprünglich aus einer Verkürzung des englischen "hey" entstanden ist (vgl. auch das schwedische hej und hejhej).
Ich nehme hingegen an, dass ey 80er ist. Spätestens seit "Manta, Manta" ist es in deutschen Mündern. Es verlor kurzweilig seinen Glanz, weil "Alter", "Digger" oder "Junge" beliebter waren. Globalisierung, Integration und Familie haben den Ausruf heute aber wieder salonfähig gemacht. Er ist ein Schlüssel zu Generationen und Ethnien. Wenn sich ein Individuum in einem kommunikativen Raum nicht als sprachamputiert outen möchte, hilft ein kurzes Ey zur Überbrückung. Es bedarf selten weiterer Kommunikation; ein Ey hallt nach.
Es gibt viele Ey-Formen: kurze, laute Eys, die in aller Regel darauf hinweisen, dass Gefahr im Verzug ist. Oder lang gezogene, entspannte Eys, die mit Rastafrisuren und Musikfestivals einhergehen. Die Reaktionen des Geeyzten sind entsprechend vielseitig. Sie changieren irgendwo zwischen Überraschung, Aggression und Liebe.
In unserer beschleunigten Gesellschaft sorgen die kleinen Eys des Tages für winzige Inseln der Entschleunigung, der Ruhe. Für den Moment nämlich, in der alle Gesprächsteilnehmer die Betonung der Eyzung einsortieren und eine Reaktion vorbereiten müssen. Ey! - Einordnung: Dieser Text ist zu Ende, ey.
  • Aus der FTD vom 23.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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