Ich will mich ja nicht beschweren. Ich lebe in einer Demokratie, in der jede Stimme zählt. Aber so manches geht nun wirklich nicht.
Die Briefwahl zum Beispiel. Die könnte so praktisch sein, eigentlich. Man lässt sich die Unterlagen zuschicken, wählt aus, kreuzt an, fertig.
Doch dann kommt das Problem: Wie kriegt man den Wahlzettel in den blauen Umschlag? Der Zettel misst in der Breite 210 Millimeter, "mindestens DIN A4" steht in der Bundeswahlordnung. Doch für den Umschlag ist nur C6 erlaubt, also 114 mal 162 Millimeter. Einmal in der Mitte falten reicht da nicht, ein zweites Mal muss es schon sein. Gut fünf Sekunden dauert diese Prozedur zusätzlich. Bei 8.969.355 Briefwählern - so viele waren es bei der letzten Bundestagswahl 2005 - sind das zusammen 44,9 Millionen Sekunden oder 12.457 Stunden oder 519 Tage. Und das ist noch abgerundet.
Zumal es nicht dabei bleibt: Die Stimmzettel müssen ja auch wieder von den Wahlhelfern aufgefaltet werden. Das sind bei - sagen wir mal - zwei Sekunden pro Zettel 4983 Stunden oder 208 Tage. Das entspricht bei einem Mindestlohn von 7,50 Euro, wie ihn die SPD fordert, satte 37.372 Euro. Plus Sozialabgaben.
Dabei ist jedoch noch nicht die eidesstattliche Versicherung berücksichtigt, die zusammen mit dem Stimmzettel eingeschickt werden muss. Diese passt mit ihrem A4-Format auch nicht in den roten Umschlag mit den Maßen 120 mal 172 Millimeter. Macht noch einmal 208 Tage Auffaltzeit oder 37.372 Euro Lohnkosten. Für diesen Betrag könnte man auch 14-mal die Abwrackprämie auszahlen.