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Merken   Drucken   11.10.2010, 14:36 Schriftgröße: AAA

Debatte über Deutschenfeindlichkeit: "Niemand liebt die Deutschen so wie die Türken"

Zum wiederholten Mal warnt die Familienministerin vor der Diskriminierung durch Migranten und beruft sich dabei auf Studien des Kriminologen Christian Pfeiffer. Der hat zwar brisante Daten erhoben, will aber auch diesmal kein Kronzeuge für Deutschenfeindlichkeit sein. von David Böcking 
Vor knapp drei Jahren hieß Kristina Schröder noch Kristina Köhler, statt Familienministerin war sie einfache Bundestagsabgeordnete. Ein Thema trieb die CDU-Politikerin aber schon damals um. "Wir stellen fest, dass es in Deutschland zunehmend auch eine deutschenfeindliche Gewalt von Ausländern gegenüber Deutschen gibt, weil das Deutsche sind", sagte Köhler damals dem ARD-Magazin "Panorama".
Die Äußerungen sorgten nicht nur für Aufsehen, weil zur gleichen Zeit CDU-Vertreter in Schröders hessischer Heimat eine Abschiebung deutschenfeindlicher Jugendlicher forderten. Schröder berief sich bei ihren Warnungen auch auf Studien des Kriminologen und früheren SPD-Innenministers von Niedersachsen, Christian Pfeiffer. Der wies dies als "Missbrauch unserer Thesen" zurück.
Nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Während sich CSU-Chef Horst Seehofer für einen "Zuwanderungsstopp" stark macht, hat Schröder die Deutschenfeindlichkeit erneut zum Thema gemacht. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" forderte sie, Diskriminierung von Deutschen müsse juristisch schärfer geahndet werden. Pfeiffer zitiert sie diesmal nicht namentlich, wohl aber eine Studie des von ihm geleiteten Kriminologischen Forschungsinsituts Niedersachsen (KFN). Der Kriminologe aber will auch diesmal kein Kronzeuge sein: "Eine generelle Deutschenfeindlichkeit gibt es nicht", sagte er FTD.de.
Christian Pfeiffer glaubt nicht an eine generelle ...   Christian Pfeiffer glaubt nicht an eine generelle "Deutschenfeindlichkeit"
Doch die Lektüre der KFN-Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Bundesinnenministerium entstand, lässt zumindest auf den ersten Blick auch einen anderen Schluss zu. Bundesweit wurden dafür Viert- und Neuntklässler nach ihren Erfahrungen mit Gewalt befragt. Dabei gaben knapp 24 Prozent der nichtdeutschen Befragten in Westdeutschland an, sie hätten schon einmal jemanden beschimpft, weil er Deutscher war, fast fünf Prozent räumten aus dem gleichen Grund Schläge ein. Zwar erlebte umgekehrt rund ein Drittel der Migranten selbst diskriminierende Beschimpfungen, die Zahl gewalttätiger Übergriffe lag aber nur bei gut zwei Prozent.
Am größten unter allen Ethnien war die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen, deren Familien aus der Türkei oder dem ehemaligen Jugoslawien stammen. "Sie beschimpfen und schlagen einheimische Deutsche überdurchschnittlich deutlich", schreiben die Autoren.
So vehement wie vor drei Jahren widerspricht Pfeiffer den Warnungen der Familienministerin diesmal nicht. "Sie beruft sich zurecht auf unsere Studie", sagt er. Schröders Schlussfolgerungen aber lehnt Pfeiffer auch diesmal ab. "Wir glauben nicht, dass eine Veränderung des Strafrechts die Lösung bringt."
Der Vorschlag Seehofers, Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen zu begrenzen, ist …

 

Der Vorschlag Seehofers, Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen zu ...

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Pfeiffer verweist unter anderem auf einen Teil der Untersuchung, in dem Migranten gefragt wurden, welche Gruppen sie gerne zum Nachbarn hätten. Abgesehen von den eigenen Landsleuten kamen Deutsche dabei fast immer an erster Stelle, auch bei türkischen Befragten. "Niemand liebt die Deutschen so wie die Türken", glaubt Pfeiffer. Umgekehrt landeten Türken bei den befragten Deutschen aber an letzter Stelle. Aus solchen und anderen Indikatoren folgert Pfeiffer, dass die vermeintliche Deutschenfeindlichkeit vor allem mit Enttäuschung über mangelnde Integration zu tun hat. "Wenn wir ihnen die kalte Schulter zeigen, kriegen wir es richtig zurück."
Dass bei den Aggressionen auch die muslimische Erziehung mit ihrem traditionellen Männlichkeitsbild eine Rolle spielt, hat Pfeiffer gerade selbst in einer Studie gezeigt. "Die Machokultur ist zweifelsohne ein zentrales Motiv", sagt er. Doch gehe es dabei nicht - wie Schröder vermutet - speziell gegen Deutsche oder Christen. "Das Ziel ist nicht, einen Deutschen niederzumachen, sondern sich als Kerl durchzusetzen."
  • FTD.de, 11.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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