Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin
Trittin forderte einen Schuldenschnitt für Griechenland und die Einführung von gemeinsamen Euro-Anleihen, den sogenannten Eurobonds. "Die höheren Zinsen für Eurobonds muss man mit den Kosten für die Rettungsschirme gegenrechnen", sagte Trittin. "Dann sieht jeder, dass Eurobonds günstiger sind - wenn er nicht dem D-Mark-Chauvinismus anhängt wie die Herren Henkel und Sinn."
Kohl beschuldigt Schröder
Damit spielte Trittin auf den früheren Industriepräsidenten Hans-Olaf Henkel und Hans-Werner Sinn an, den Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Beide wollen Griechenland aus der Euro-Zone ausschließen.
Trittins Angriffe selbst auf den Bundesbankpräsidenten zeigen, dass die Debatte um die Gemeinschaftswährung an Schärfe gewinnt. Altbundeskanzler Helmut Kohl sah sich veranlasst, einen Bericht zu dementieren, wonach er Merkels Europapolitik gegenüber einem Vertrauten kritisiert habe. Stattdessen gab Kohl der früheren rot-grünen Bundesregierung die Schuld für die Aufweichung des Stabilitätspakts und die Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone. Beide Fehler müssten korrigiert werden, sagte Kohl der "Bild"-Zeitung.
Grünen-Fraktionschef Trittin bezweifelte, dass die Staats- und Regierungschefs am Donnerstag "den notwendigen großen Schritt" machen, also eine Umschuldung Griechenlands und die Einführung von Eurobonds beschließen. "Merkel handelt regelmäßig mit einem halben Jahr bis zwei Jahren Verspätung", sagte Trittin. "Das hat man bei Irland und Griechenland gesehen. Europäische Führung sieht anders aus."