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Merken   Drucken   18.07.2011, 04:00 Schriftgröße: AAA

Debatte um Eurobonds: Trittin attackiert Weidmann

Exklusiv Vor dem Krisentreffen der Euro-Länder kochen die Emotionen hoch: Bundesbankpräsident Weidmann wendet sich scharf gegen Euro-Anleihen - das wiederum findet Grünen-Fraktionschef Trittin "völlig falsch". von Jens Tartler  Berlin
Kurz vor dem Euro-Krisentreffen am Donnerstag hat Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin  Bundesbankpräsident Jens Weidmann scharf kritisiert. "Wenn Weidmann gemeinsame Euro-Anleihen als zu teuer ablehnt, liegt er völlig falsch und setzt die fehlgeleitete Politik des Kanzleramts fort", sagte Trittin im Gespräch mit der FTD. Weidmann war vor seiner Berufung zum Notenbankchef wirtschaftspolitischer Berater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin   Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin
Trittin forderte einen Schuldenschnitt für Griechenland und die Einführung von gemeinsamen Euro-Anleihen, den sogenannten Eurobonds. "Die höheren Zinsen für Eurobonds muss man mit den Kosten für die Rettungsschirme gegenrechnen", sagte Trittin. "Dann sieht jeder, dass Eurobonds günstiger sind - wenn er nicht dem D-Mark-Chauvinismus anhängt wie die Herren Henkel und Sinn."
Kohl beschuldigt Schröder
Damit spielte Trittin auf den früheren Industriepräsidenten Hans-Olaf Henkel und Hans-Werner Sinn an, den Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Beide wollen Griechenland aus der Euro-Zone ausschließen.
Trittins Angriffe selbst auf den Bundesbankpräsidenten zeigen, dass die Debatte um die Gemeinschaftswährung an Schärfe gewinnt. Altbundeskanzler Helmut Kohl sah sich veranlasst, einen Bericht zu dementieren, wonach er Merkels Europapolitik gegenüber einem Vertrauten kritisiert habe. Stattdessen gab Kohl der früheren rot-grünen Bundesregierung die Schuld für die Aufweichung des Stabilitätspakts und die Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone. Beide Fehler müssten korrigiert werden, sagte Kohl der "Bild"-Zeitung.
Grünen-Fraktionschef Trittin bezweifelte, dass die Staats- und Regierungschefs am Donnerstag "den notwendigen großen Schritt" machen, also eine Umschuldung Griechenlands und die Einführung von Eurobonds beschließen. "Merkel handelt regelmäßig mit einem halben Jahr bis zwei Jahren Verspätung", sagte Trittin. "Das hat man bei Irland und Griechenland gesehen. Europäische Führung sieht anders aus."
Union und FDP sagten den Bürgern, Deutschland hafte nicht für die Schulden Griechenlands. In Wahrheit halte die Europäische Zentralbank (EZB) schon griechische Anleihen über 70 Mrd. Euro. Deutschland sei mit 27 Prozent an der EZB beteiligt. Im Gegensatz zur um sich greifenden Euro-Skepsis betonte Trittin die Europa-Freundlichkeit seiner Partei. Als Reaktion auf die Euro-Krise müsse die Finanzpolitik stärker europäisiert werden. "Warum wird der Rettungsschirm ESM nicht in den Institutionen Europas angesiedelt?", fragte Trittin. Die EU-Institutionen seien schließlich demokratisch legitimiert.
Gegen EU-Oberfinanzminister
Er wandte sich allerdings gegen den Vorschlag von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, einen gemeinsamen EU-Finanzminister zu ernennen. "Wir haben schon einen europäischen Finanzminister: Währungskommissar Olli Rehn", sagte Trittin. "Seine Vorschläge sind allemal klüger als die von Merkel."
Bei seiner USA-Reise vor wenigen Tagen, sagte Trittin, habe er viele Experten getroffen, die die EU und den Euro für "etwas Vernünftiges" halten. "Die USA haben ein massives Interesse daran, dass es neben dem Dollar noch eine Zweitwährung gibt - die nicht aus China kommt."
  • Aus der FTD vom 18.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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