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Merken   Drucken   25.04.2005, 17:54 Schriftgröße: AAA

"Der Fischer ist schuld"  

Der Auftritt von Außenminister Joschka Fischer vor dem Visa-Untersuchungsausschuss sollte der rot-grünen Koalition Luft verschaffen. Doch der Grünen-Politiker zeigte sich in der TV-Übertragung nicht nur von seiner starken Seite, er offenbarte auch Schwächen. von Kai Beller, Berlin
Lächeln für die Kameras: Joschka Fischer im Untersuchungsausschuss   Lächeln für die Kameras: Joschka Fischer im Untersuchungsausschuss
"Joseph Martin Fischer, genannt auch Joschka Fischer, 57 Jahre alt." Mit diesen Worten beginnt der deutsche Außenminister seine Ausführungen vor dem Visa-Untersuchungsausschuss. Er bekennt sich zu seiner Verantwortung. Den umstrittenen Visa-Erlass mit dem Leitsatz "Im Zweifel für die Reisefreiheit" bezeichnet er als "Fischer-Erlass". "Schreiben Sie, der Fischer ist schuld", sagt er nach zwei Stunden und 18 Minuten.
Doch wer nun einen zerknirschten Joschka Fischer erwartet hat, sieht sich getäuscht. Er schaltet auf Angriff um, auch in Mimik und Gestik. Die Fernsehzuschauer haben bei den Ausschussübertragungen den Vorteil, den Zeugen von vorne zu sehen. Sie sehen ein Brustbild und können ihm ins Gesicht sehen. Fischer beherrscht dieses Spiel, er gestikuliert, belehrt und wendet sich immer wieder an die Vertreter der Opposition in dem Gremium.
Kabbelei mit Uhl
Sichtlich wohl fühlt sich der Außenminister im Umgang mit dem Ausschuss-Vorsitzenden Hans-Peter Uhl von der CSU. Wie schon Volmer bei seiner Aussage nimmt sich auch Fischer zu Beginn seiner Ausführungen Uhl vor. Er wirft ihm vor, für die "Skandalisierung" der Vorgänge verantwortlich zu sein. Uhl hatte Volmer als "einwanderungstechnischen Triebtäter" bezeichnet.
Die Spannung zwischen beiden ist spürbar und sichtbar. Fischer zieht die Klagen des Ausschussvorsitzenden über die Zustellung der Akten des Auswärtigen Amtes ins Lächerliche. Er verteidigt das Vorgehen, worauf Uhl sagt: "Mir kommen die Tränen." Fischer bietet ihm daraufhin ein Taschentuch an. Später ruft er in gespielter Verzweiflung: "Herr Vorsitzender, Herr Vorsitzender…" Oder er fordert ihn mit den Worten "die Mühe müssen Sie sich schon selber machen" auf, die Verantwortlichen für die Pannen im Auswärtigen Amt zu suchen.
Souverän wirkt Fischer, als er die Visa-Politik seines Ministeriums verteidigt. Mit fast feierlicher Stimme liest er aus Akten vor. Geschickt ordnet er die Visa-Politik in die Tradition der Vorgängerregierungen ein und nimmt sie damit für die späteren Missstände mit in Haft. Mit Redewendungen wie "Sie wissen doch…" nimmt er auch die Abgeordneten des Ausschusses in den Kreis der Mitwisser auf.
Von Klaeden lässt Fischer stramm stehen
Doch Fischer zeigt auch ein anderes Gesicht und das wird bei der Befragung durch die Ausschussmitglieder sichtbar. Vor allem bei Detailfragen wirkt er unsicher und versucht dies durch Arroganz zu überspielen. Auf die Fragen des CDU-Obmanns Eckart von Klaeden nach dem Streit mit Innenminister Otto Schily über die Visa-Regeln versucht Fischer ausweichend zu antworten. Von Klaeden insistiert jedoch, wird lauter und energischer. Fischer steckt in der Defensive, er hat die Hände übereinander gelegt, schaut auf den Tisch und zieht sich dann auf Erinnerungslücken zurück.
Doch für jeden Zuschauer sichtbar hat das Fernsehen diesen Augenblick festgehalten. In diesem Moment hat der CDU-Obmann Fischer entzaubert, auch wenn dieser sich danach wieder fängt.
  • FTD.de, 25.04.2005
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