Vergangene Woche reiste Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wieder einmal in die Vereinigten Staaten. Diesmal ließ er sich zu keiner Pose am Times Square hinreißen. Das ging auch nicht, er war ja in Washington.
Der Medienkonsument in der Heimat bekam aber trotzdem ein ganz dolles Bild des Ministers geliefert: Guttenberg ist ein echter Washington-Insider. Das erkennt man schon daran, dass er zum Kongress "Hill" sagt. Guttenberg heißt jetzt Mr. Klartext oder Nebenaußenminister und ist eigentlich besser als der wirkliche Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Die Amerikaner halten Guttenberg für den Superstar im Kabinett. Guttenberg kann super, super Englisch. Und: Er lässt sich von einer Frage zu den Nato-Beitrittschancen Montenegros nicht aus dem Konzept bringen. Ein herrlicher Minister!
Die Vermutung, Guttenberg würde den Job als Außenminister mindestens so gut hinkriegen wie Westerwelle, ist nicht ganz grundlos. Er hat sich jahrelang mit Außenpolitik befasst, verfügt über ein gutes Netzwerk und hat damit einen Startvorteil gegenüber Westerwelle. Dass es zwischen beiden deshalb zu Spannungen kommen wird, ist also gut möglich und wäre ein Thema, über das es sich zu berichten lohnte. Stattdessen aber haben sich die Medien weitestgehend darauf verlegt, Guttenberg zuzujubeln.
Es begann im Februar, als Guttenberg, damals noch ein Greenhorn, Wirtschaftsminister wurde. Bei der Bundestagswahl gewann er seinen Wahlkreis mit einem Fabelergebnis. Und nun ist er noch viel zu kurz Verteidigungsminister, als dass sich seine Arbeit bewerten ließe. Trotzdem schwimmt er auf einer wahnwitzigen Welle der Popularität.
Gut, er sieht ordentlich aus, kann zusammenhängende Sätze auf Deutsch und Englisch formulieren, kommt sympathisch rüber und hat diesmal auch noch Ahnung von seiner Materie. Aber reicht das, um einen Politiker derart zu glorifizieren? Sicher nicht.
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Ein wenig hat die Hysterie um Guttenberg mit den besonderen Umständen zu tun, mit welchen er seine beiden Ämter antrat. Sein Vorgänger im Wirtschaftsministerium, Michael Glos, war zutiefst frustriert in seinem Amt, am Ende nicht nur glücklos, sondern auch kraftlos. So jemanden in den Schatten zu stellen ist nicht sehr schwer.
Und auch Guttenbergs Vorgänger als Verteidigungsminister, der heutige Arbeitsminister Franz Josef Jung, war für die Journalisten eine Mischung aus Albtraum und Witzfigur. Bei Gipfel- und Ministertreffen im Rahmen der Nato oder der EU entzog er sich der Presse bis auf ein paar vorgefertigte Statements meist komplett.
Und wenn Jung es doch probierte, ging es oft daneben. Einmal versuchte eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums deswegen sogar, die Journalisten auf Fragen zur Gesprächsatmosphäre mit den Kollegen einzuschränken. Als Nachfolger dieses Ministers hat es Guttenberg sogar richtig leicht.
Und es wird ihm noch leichter gemacht: Nicht einmal, wenn er Unsinn erzählt, macht sich jemand die Mühe, ihm das auch nachzuweisen.
Teil 2: Man glaubt sogar der Falschmeldung