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Merken   Drucken   24.03.2006, 11:11 Schriftgröße: AAA

Der weltweite Einbürgerungsknigge

Einwanderungstest - nein danke? Deutschland streitet über Verfahren zur Einbürgerung. Wie regeln die Franzosen diese Frage, was verlangen die Briten von potenziellen Staatsbürgern und wie wird man Kanadier? Verschaffen Sie sich einen Überblick von Australien bis USA.
In vielen Ländern sind Tests für eine Einbürgerung gang und gäbe, andere verzichten komplett darauf und in manchen werden neue Verfahren erst ausgearbeitet. Klicken Sie auf eines der Länder, um mehr zu erfahren.
Die Flagge von Australien   Die Flagge von Australien
Sonnenschein, Strände, Metropolen, Natur – Australien gilt vielen als Einwandererparadies schlechthin. Wer Australier werden will, muss zunächst gewisse Hürden nehmen.
Dazu gehört etwa, dass der Bewerber in den vergangenen fünf Jahren mindestens zwei Jahre dauerhaft legal in Australien gelebt haben muss. Auch muss der Aspirant grundlegende Englischkenntnisse mitbringen.
Schließlich wird ein Australier in Spe zu einem Interview zu den Einwanderungsbehörden eingeladen. Wie das Gespräch im Einzelnen verläuft, liegt dabei im Ermessen der Beamten. Bewerber müssen aber beweisen, dass sie sich über die Pflichten und Privilegien einer australischen Staatsbürgerschaft im Klaren sind. Dazu gehört etwa, die Vielfältigkeit der australischen Gesellschaft zu achten sowie die parlamentarische Demokratie und Toleranz zu respektieren.
Die Flagge von Frankreich   Die Flagge von Frankreich
Die Franzosen verlangen für die Einbürgerung keinen Test. Die Grande Nation legt aber bei zukünftigen Staatsbürgern großen Wert darauf, dass sie der Sprache mächtig sind.
Wer Franzose werden will, muss deswegen entweder in Frankreich oder in einem Konsulat im Ausland zu einem Interview erscheinen. In 15 bis 20 Minuten prüfen die Beamten dabei, ob der Bewerber ausreichend gut Französisch spricht.
Ob er weiß, wie der französische Staatspräsident heißt, ist sicherlich ein Plus – aber kein Grund, das Interview nicht zu bestehen.
Die Flagge von Großbritannien   Die Flagge von Großbritannien
Was in Deutschland derzeit noch diskutiert wird, ist in England längst Realität. Die Briten haben zum 1. November 2005 einen landesweit einheitlichen Einbürgerungstest eingeführt.
Dieser wird in speziellen Centern auf der Insel ausschließlich am Computer durchgeführt. Insgesamt 24 Fragen müssen die Aspiranten im Multiple-Choice-Verfahren beantworten, dafür haben sie 45 Minuten Zeit. Der Test wird auf Englisch durchgeführt.
Als Grundlage für den Test dient ein offizielles Buch mit dem Namen "Life in the UK", mit dem man sich auf die Fragen umfassend vorbereiten kann. Abgefragt werden in dem Test etwa Kenntnisse zur Geschichte (Was ist die Magna Charta), aber auch die Telefonnummer der Polizei für Notfälle. Wer durchfällt, darf es noch mal versuchen.
Die Flagge von Irland   Die Flagge von Irland
Irland hat in den vergangen Jahren einen ungeahnten wirtschaftlichen Boom erlebt. Damit ist das Land vom einstigen Armenhaus Europas und klassischen Auswanderungsland zu einem beliebten Einwanderungsland avanciert. Irland hat als eines der wenigen EU-Länder den Arbeitsmarkt für Büger der neuen EU-Mitgliedsstaaten ohne Einschränkung geöffnet.
Für die irische Gesellschaft ist das Phänomen Einwanderung dennoch relativ neu. Tests gibt es dabei nicht, die Einbürgerung ist vielmehr ein Verwaltungsakt. So muss, wer eingebürgert werden will, unter anderem fünf Jahre legal im Land gelebt haben, eine irische Referenzperson angeben und darf nicht vorbestraft sein.
Die Flagge von Italien   Die Flagge von Italien
Wer Italiener werden möchte, muss davor mindestens vier Jahre im Land leben. Dies gilt für EU-Bürger, alle anderen Staatsangehörigen müssen sich bis zu 10 Jahre im Land aufhalten.
Spezielle Anforderungen stellt der italienische Staat bei der Einbürgerung nicht: Weder das Prüfen von Sprachkenntnissen, noch Tests sind an der Tagesordnung. Der Aspirant darf nicht vorbestraft sein und keine Gefahr für den Staat darstellen.
Bemühungen um Verschärfungen kennt auch die italienische Politik. So brachte 2003 die rechtskonservative Lega Nord einen Gesetzesentwurf ein, der einen speziellen Einbürgerungstest vorsieht. Neben Kenntnissen zur italienischen Kultur sollten darin auch Sprachkenntnisse abgefragt werden – bis hin zu lokalen Sprachgewohnheiten. Der Gesetzesentwurf genießt keine Priorität.
Die Flagge von Kanada   Die Flagge von Kanada
Kanada ist neben den USA und Australien das beliebteste Einwanderungsland. Wer Kanadier werden möchte, muss mindestens drei der vergangenen vier Jahre dauerhaft in dem Land gelebt haben und entweder Englisch oder Französisch beherrschen.
Wer sich erfolgreich um die Einbürgerung bewirbt, wird in der Regel zu einem Test eingeladen, aber auch Interviews sind möglich. Fragen zu den Themenkomplexen aktives und passives kanadisches Wahlrecht sowie Wahlverfahren müssen dabei ausnahmslos richtig beantwortet werden.
Fehler darf sich der Kandidat aber bei den Themenkomplexen Geschichte, Geografie und Rechte und Pflichten von Staatsbürgern erlauben.
Die kanadischen Behörden geben zur Vorbereitung auf den Test eine offizielles Broschüre "A look at Canada" heraus. Darin wird etwa der Ursprung des Ahornblattes als nationales Symbol erklärt, die Geschichte der Inuit oder der Staatsaufbau.
Wer den Test erfolgreich absolviert, wird zur Einbürgerungszeremonie eingeladen. Ähnlich wie in den USA gilt diese vielen Menschen als ausgesprochen wichtiger wie feierlicher Akt, bei dem auch Freunde und Verwandte anwesend sind.
Die Flagge von Österreich   Die Flagge von Österreich
Unsere Nachbarn haben die Frage Einwanderungstest ja oder nein mit der österreichischen Staatsbürgerschaftsnovelle zum 23.03.2006 geklärt. Demnach müssen Aspiranten auf die österreichische Staatsbürgerschaft in einem Test "Kenntnisse der deutschen Sprache und Grundkenntnisse der demokratischen Ordnung sowie der Geschichte Österreichs und des jeweiligen Bundeslandes" beweisen.
Die Durchführung obliegt dabei den Bundesländern, fertige Entwürfe mit offiziellen Fragenkatalogen liegen noch nicht vor. Einheitlich ist aber geregelt, dass ein entsprechender Prüfungsbogen 18 Fragen enthalten wird, von denen die Hälfte im Multiple-Choice-Verfahren richtig beantwortet werden muss.
Die Bewerber werden dafür insgesamt zwei Stunden Zeit zur Verfügung haben. In den österreichischen Medien kursierten bereits Fragen aus einzelnen Bundesländern, die aber sofort wieder dementiert wurden. Gesinnungsfragen wie etwa in Baden-Württemberg soll es dabei aber nicht geben, auch soll das vorausgesetzte Wissensniveau nicht so hoch sein wie in Hessen, hieß es aus der österreichischen Botschaft. Denkbar seien Fragen etwa danach, welcher Fluss durch Linz fließt.
Die Flagge von Schweden   Die Flagge von Schweden
Schweden gehört neben Großbritannien und Irland zu den EU-Ländern, die ihren Arbeitsmarkt auch für Bürger aus den neuen Mitgliedländern der Union geöffnet haben. Dementsprechend aktiv ist der Zuzug von Arbeitnehmern aus dem Osten nach Schweden.
Wer schwedischer Staatsbürger werden will, muss nicht auf seine alte Staatsbürgerschaft verzichten. Voraussetzung ist aber, dass er in der Regel fünf Jahre mit einer legalen Aufenthaltsgenehmigung in Schweden wohnt und dabei keine schwerwiegenden Straftaten begangen hat. Test sind weder in Form von Wissenstest, noch als Sprachtests vorgesehen.
Die Flagge der Schweiz   Die Flagge der Schweiz
Die Schweizer Staatsbürgerschaft zu erhalten, gilt als besonders schwierig. Der Bewerber muss ein dreistufiges Verfahren vom Bund zum Kanton zur Gemeinde durchlaufen.
Der Bewerber muss dabei zunächst prinzipiell seit 12 Jahren seinen Wohnsitz in der Schweiz haben, mit den schweizerischen Lebensgewohnheiten vertraut sein und darf keine Gefährdung der inneren oder äußeren Sicherheit der Schweiz darstellen.
Erhält er auf dieser Grundlage die eidgenössische Einbürgerungsbewilligung, muss er noch die Einbürgerung in den Gemeinden und Kantonen durchlaufen. Diese kennen eigene, zusätzliche Einbürgerungsvoraussetzungen, zu denen etwa Wohnsitzfristen oder materielle Erfordernisse zählen.
Um diese zu überprüfen, werden die Bewerber zu einem Gespräch eingeladen, danach entscheidet der Gemeindevorstand - oder aber in einigen Fällen die gesamte Gemeinde per Abstimmung.
Die Flagge der Niederlande   Die Flagge der Niederlande
Deutsche Befürworter eines Einbürgerungstest verweisen besonders gerne auf den Nachbar. Wer in die Niederlande einwandern will, muss, etwa in einer Botschaft des Landes, einen Einbürgerungstest absolvieren.
Aspiranten müssen dabei neben einem Sprachtest auch einen Fragebogen etwa zur Kultur des Landes, Geschichte, der staatlichen Ordnung und Geografie ausfüllen, ganz ähnlich dem vorgeschlagenen hessischen Modell.
Für Kontroversen sorgt seit Kurzem eine DVD, die sich Bewerber zusätzlich ansehen müssen. Der Film, der in 14 Sprachen übersetzt ist, zeigt unter anderem eine Frau, die sich oben ohne am Strand sonnt oder auch küssende homosexuelle Paare. Der Streifen soll den Holländern in Spe einen Eindruck vom Lebensgefühl in der neuen Heimat vermitteln.
Das holländische Einbürgerungsverfahren ist nicht zuletzt wegen der Kosten umstritten: Die Prüfung kostet 350 Euro, die DVD 65 Euro.
Die Flagge von Neuseeland   Die Flagge von Neuseeland
Wem Australien noch zu groß ist, der liebäugelt mit Neuseeland. Das Land steht nicht erst seit Peter Jackson "Herr der Ringe" dort drehte ganz oben auf der Liste der Zivilisationsgeplagten.
Wie bei anderen klassischen Einwanderungsländern auch, können sich Migranten auf der Grundlage verschiedener Einbürgerungsvoraussetzungen um die Staatsbürgerschaft bemühen. Dazu gehört etwa, weil man besonders gut ausgebildet ist, weil man die Familie zusammenführen möchte oder weil man ein viel versprechendes Unternehmen vor Ort gründen will.
Der neuseeländische Staat verlangt als Voraussetzung aber explizit einen "hohen Standard" der englischen Sprache. Für Bewerber, die sich auf der Grundlage einer guten Ausbildung bewerben wollen, greift danach ein Punktesystem. Tests müssen nicht absolviert werden.
Die Flagge der USA   Die Flagge der USA
Wer Staatsbürger der USA werden will, muss in der Regel büffeln: Der Einwanderungstest der US-Behörden fragt sowohl Wissen zur Geschichte und politischen Struktur des Landes ab als auch die Sprachkenntnisse.
Auf der Homepage der Einwanderungsbehörde können Aspiranten etwa 100 Testfragen zur Geschichte der USA einsehen, die abgefragt werden können. Dazu gehören Fragen etwa nach dem ersten Präsidenten der USA, welches die Aufgaben des Kongresses sind und wer Martin Luther King Jr. war.
Um zu dem Test überhaupt zugelassen zu werden, muss der Bewerber mindestens fünf Jahre mit einer regulären Aufenthaltserlaubnis in den USA verbracht haben.
Wer es geschafft hat, schwört bei einer feierlichen Zeremonie einen Eid. Der Akt als solcher wird mit Freunden und Familie gefeiert, frisch gebackene US-Staatsbürger sind stolze Träger des neuen Status.
  • FTD.de, 24.03.2006
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