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Merken   Drucken   21.02.2012, 09:17 Schriftgröße: AAA

Designierter Bundespräsident: Gauck wird Merkels Präsident

Verliererin der Kandidatenkür ist nicht die Kanzlerin. Merkel wird es gelingen, die scheinbare Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Die FDP allerdings wird schwer büßen müssen.
© Bild: 2012 DPA/dpa - Bildfunk/Robert Schlesinger
Kommentar Verliererin der Kandidatenkür ist nicht die Kanzlerin. Merkel wird es gelingen, die scheinbare Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Die FDP allerdings wird schwer büßen müssen. von Joachim Dreykluft 
Das sieht verdammt peinlich aus: Die Kanzlerin gibt ihrem schwindsüchtigen Koalitionspartner klein bei. Die nahezu unbesiegbar scheinende Angela Merkel muss den Kandidaten der Drei-Prozent-Partei FDP als Bundespräsidenten akzeptieren. Philipp Rösler, offiziell Vizekanzler, tatsächlich jedoch längst abgeschrieben, kommt plötzlich als kaltschnäuziger Taktierer der Macht daher, dem es gelingt, Europas mächtigste Politikerin an einem Sonntagabend zu übertölpeln. Und, zumindest sieht er es wohl so, für das Quäntchen Sympathie im Wahlvolk zu sorgen, das seine Partei bei den anstehenden Landtagswahlen im Saarland und in Schleswig-Holstein über fünf Prozent hievt.
Mit der Einigung auf Gauck zeigt Merkel ...

 

Mit der Einigung auf Gauck zeigt Merkel ...

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Alles nur eine Momentaufnahme. Derzeit wirkt die Kanzlerin beschädigt. Doch das perlt schnell an ihr ab. Sie wird zwar nicht die Geschichte so verbiegen können, dass es im Grunde sie war, die Joachim Gauck wollte. Aber sie wird es schaffen, sich und Gauck als Duo zu präsentieren, das Deutschland klug durch schwere Zeiten dirigiert. Gemeinsam. Am Ende wird Gauck Merkels Präsident sein.
Dafür spricht die bemerkenswerte Rezeption, die die Kanzlerin trotz ihrer beachtenswerten Fehler in der Öffentlichkeit genießt. Nüchtern betrachtet macht diese Frau ständig etwas falsch, was sie anschließend zu reparieren oder wenigstens zu kaschieren versucht. In der Frage der Griechen-Rettung und der deutschen Finanzierung der Rettungsschirme hat sie mehrfach die Position gewechselt. Den Schnitzer, mit Horst Köhler einen "Unabhängigen" in das Bundespräsidialamt befördert zu haben, versuchte sie auszugleichen mit Christian Wulff, dem Parteipolitiker, der die Arithmetik der Macht versteht und nicht plötzlich ohne Vorwarnung seinen Rücktritt erklärt. Und dann die große Volte bei der Energiepolitik infolge von Fukushima. Als Angela Merkel merkte, dass es Zeit ist, die Reißleine zu ziehen, trennte sie sich innerhalb von Tagen von einem der wichtigsten Dogmen der CDU: Atom ist gut.
Jetzt ist sie die Kanzlerin der Energiewende, die über den Dingen schwebt, die den Streit ihrer Minister Rösler und Röttgen im Hintergrund moderieren darf. In den Beliebtheitsumfragen ist sie wieder vorn. Und ihre Partei, die CDU, darf sogar hoffen, im Sog der Kanzlerin die magische 40-Prozent-Marke bei der Bundestagswahl wieder zu überspringen.
Merkel ist es stets gelungen, dass ihr ihre Fehler, ihr Schlingern, ihr Taktieren, ihr ungestümes Korrigieren nicht auf die Füße fallen. Der Fall Wulff war nie ein Fall Merkel, auch wenn die Opposition das gern gehabt hätte - und obwohl sie es offenbar unterlassen hat, sich neben dem Bundespräsidentenkandidaten Wulff auch noch stärker mit dem Ministerpräsidenten Wulff zu befassen, der bekanntermaßen merkwürdige "Freunde" in Hannover und Großburgwedel hatte. Dass dies eines Tages für strafrechtliche Ermittlungen reichen würde, konnte Merkel nicht wissen. Dass er kein Saubermann ist und für Gesprächsstoff sorgen wird, schon.

Teil 2: Blutgrätsche für die FDP

  • FTD.de, 21.02.2012
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Kommentare
  • 22.02.2012 20:51:08 Uhr   Bahar: Der beste BP seit langem

    Gauck verkörpert all dies, was wir Deutsche uns für einen Politiker wünschen: er ist unabhänig, ehrlich und kritisiert auch wenn er mal aneckt. Er stellt sein Fähnchen eben nicht in den Wind sondern sagt offen seine Meinung. Vor dem Hintergrund, welche Lehren wir aus den Greueltaten der NS-Zeit ziehen sollten, kann sich jeder Poliker mal ein Beispiel an Gauck nehmen. Es geht eben nicht darum immer im Mainstrean zu schwimmen, zu buckeln und zu schleimen sondern darum zu bestimmten Überzeugungen zu stehen, diese zu vertreten und an die Menschen zu vermitteln. Gauck ist ein BP der schon lange überfällig war!

  • 22.02.2012 17:41:09 Uhr   Z.w.ie(ü)bel: zu Torsten Bartels Aussage
  • 21.02.2012 18:56:47 Uhr   Pandora: Merkels testimonium paupertatis
  • 21.02.2012 13:51:19 Uhr   mwaj: Vergauckt
  • 21.02.2012 13:31:29 Uhr   Merkelyoucant: Gauch wird Merkels Präsident
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