Nach der Begeisterung über Gaucks Kandidatur regt sich nun bei einigen Themen Kritik an dem früheren Pfarrer - vor allem im linken Lager. So nehmen ihm Kapitalismuskritiker übel, dass er die Anti-Banken-Proteste der Occupy-Bewegung einst als "unsäglich albern" abgetan hatte.
Auch Grünen-Chef
Cem Özdemir erwartet von Gauck ein Signal. "Er wird zum Thema Integration bestimmt bald eigene Akzente setzen. Er ist jemand, der zusammenführen kann", sagte er der FTD. Gauck sei wahrlich kein Unterstützer der Thesen von Thilo Sarrazin. "Sonst hätten wir ihn nicht vorgeschlagen." Das gehe auch aus dem fraglichen Interview hervor. Darin hatte Gauck kritisiert, Sarrazin wolle "mit einem einzigen biologischen Schlüssel alles erklären".
Aussage zum Islam gefragt
Laut Özdemir könne niemand erwarten, dass Gauck den Parteien, die ihn unterstützt haben, immer nach dem Mund rede. "Auch wir nicht. Ganz im Gegenteil, er ist ein unabhängiger Kopf, das zeichnet ihn aus." Der integrationspolitische Sprecher der Bundestagsgrünen, Memet Kilic, kündigte an, Gauck nicht zu wählen.
Kolat drängte den 72-Jährigen auch zu einer Aussage zum Islam: "Gauck ist ein religiöser Mann. Es wäre schön, wenn er ähnliche Worte für den Islam findet wie Wulff." Beim Beitrittsgesuch der Türkei zur EU würden sich die Deutschtürken ebenfalls ein Signal wünschen. "Doch das ist wohl unwahrscheinlich."