Es gab einmal Zeiten, da hatten Christian Wulff und der Audi Q3 etwas gemeinsam - sie standen in der Gunst der Deutschen ganz weit oben. Glänzend, glamourös und ohne einen Kratzer im Lack. Was dem Niedersachsen in den letzten Monaten abhandenkam, gilt für den Q3 immer noch: Vor wenigen Wochen wurde der sportliche Geländewagen von ADAC-Lesern zum beliebtesten Wagen gewählt.
Der Audi sorgte Ende vergangener Woche für weiteren Wirbel um den Bundespräsidenten. Die Staatsanwaltschaft Berlin prüft, ob die Wulffs im Sommer einen Q3 kostenlos genutzt haben. Berichte darüber ließ das Ehepaar gerichtlich stoppen und wies die Behauptung als falsch zurück.
Doch unabhängig davon: Fakt ist, dass Politiker und Autohersteller gern enge Beziehungskisten pflegen. Die Autobauer suchen die Nähe zu den Entscheidern. Egal ob in Berlin oder Brüssel, fast jeder Autobauer unterhält eine Hauptstadtrepräsentanz und zahlreiche Lobbyisten. Für die Pkw-Hersteller stehen Fördergelder für moderne Antriebstechnologien auf dem Spiel, es drohen Verschärfungen der Umweltgesetze, oder es locken Zuschüsse für neue Produktionsstandorte - genug Gründe, um kräftig Überzeugungsarbeit zu leisten.
Bei Wulff war die Nähe zur Autoindustrie als Ministerpräsident von Niedersachsen unvermeidbar. Das Land hält 20 Prozent der Stammaktien an Europas größtem Autobauer VW. Der Landeschef sitzt traditionell im Aufsichtsrat. Auch in dieser Funktion soll Wulff Grenzen überschritten haben, wie am Wochenende herauskam. Wieder einmal beim Autokauf. Nach einem Bericht des "Spiegel" hat Wulff als VW -Aufseher einen Wagen der VW-Tochter Skoda zu "Aufsichtsratskonditionen" geleast. Statt der üblichen 1,5 Prozent musste er nur ein Prozent auf den Neupreis abführen. Dabei schreibt das niedersächsische Ministergesetz den Regierungsmitgliedern ausdrücklich vor, sie dürften "keine Belohnung und Geschenke in Bezug auf ihr Amt annehmen".
Teil 2: Willkommene Markenbotschafter