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Merken   Drucken   12.01.2006, 22:23 Schriftgröße: AAA

Dossier: Deutschland belegt bei Innovation EU-Spitzenplatz  

Deutschland gehört zu den innovationsfreudigsten Staaten Europas. Zusammen mit Schweden, der Schweiz, Finnland und Dänemark ist das Land einer EU-Studie zufolge führend bei technischen Innovationen. von Wolfgang Proissl, Brüssel
Das ist das Ergebnis des "European Innovation Scoreboard" (EIS), das die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel vorstellte. Gleichzeitig erkennt die Untersuchung die Gefahr einer dauerhaften Spaltung unter den 25 EU-Mitgliedern bei der Innovationsfähigkeit. Außerdem warnt sie, dass der Abstand der Union bei Erfindungen und Entwicklungen gegenüber den USA und Japan weiter zunehme.
Die Erhebung zeigt, dass Deutschland trotz des schwachen Wachstums der vergangen Jahre seine Stellung als wettbewerbsfähiger Forschungs- und Entwicklungsstandort ausbauen konnte. Demnach hat sich die Innovationsfähigkeit auf einem hohen Niveau deutlich dynamischer fortentwickelt als bei vergleichbaren Volkswirtschaften der EU wie Frankreich oder Großbritannien.
"Deutschland zeigt eine hohe Leistungsfähigkeit", sagte David White, Direktor in der Generaldirektion Unternehmen und Industrie der Kommission. "Das Land schneidet besonders gut ab in Hochtechnologiebranchen, die auf Exporten beruhen."
Deutschland fehlen aber "Innovationsmotoren"
Allerdings weist die Studie auch Schwächen auf. So belegt Deutschland in der Kategorie "Innovationsmotoren" nur unterdurchschnittliche Plätze. Dazu zählen etwa die Zahl der Hochschulabsolventen in Natur- und Ingenieurswissenschaften, die Verbreitung von Breitband-Internetanschlüssen und das Ausbildungsniveau der jüngeren Bevölkerung. "Das könnte Fragen aufwerfen zu Deutschlands Fähigkeit, ausgebildete Arbeitskräfte für innovative Firmen bereitzustellen", heißt es in der Studie.
Gegenstand der Vergleichsuntersuchung sind die 25 EU-Staaten, sechs weitere Länder Europas sowie die USA und Japan. Die Innovationsleistung der 33 Staaten wurde anhand von 26 Kriterien verglichen. Für Europa insgesamt kommt die Untersuchung zu einem sehr pessimistischen Bild. So liegen die USA und Japan bei der Innovationsfähigkeit weiter deutlich vor der EU. Der Innovationsabstand zwischen den 25 Mitgliedsstaaten und Amerika bleibe über fünf Jahre konstant groß, der zu Japan wachse sogar, heißt es. "Es würde über 50 Jahre dauern, bis die EU25 das US-Leistungsniveau bei Innovationen eingeholt hätten."
Lissabon-Agenda verfehlt bislang ihr Ziel
Damit ist klar, dass die so genannte Lissabon-Agenda für Wachstum und Beschäftigung bislang ihr Ziel verfehlt. Die Agenda ist von den EU-Staats- und Regierungschefs vor gut fünf Jahren verabschiedet worden. Demnach sollte die Politik der EU-Staaten darauf abgestellt werden, dass Europa die USA bis 2010 als dynamischsten Wirtschaftsraum ablöst. Die EU-Kommission versucht nun unter Präsident José Manuel Barroso, das Programm wieder zu beleben.
Zwei Gründe erklären die schlechte EU-Position: Erstens bieten die anderen großen Volkswirtschaften Europas ein relativ schwaches Bild. Frankreich und Großbritannien liegen nur in der Gruppe der durchschnittlichen Leistungsträger. Die EU-Studie warnt vor Risiken, dass beide Länder in den nächsten fünf bis zehn Jahren "Rückschritte" machen. Italien ist schon jetzt das bei weitem schwächste Land der Durchschnittsgruppe. Und Spanien gehört bereits zur vierten Verlierergruppe. Insbesondere die Höhe der Forschungs- und Entwicklungsausgaben sowie die Zahl der Patente liegt dort weit unter dem EU-Durchschnitt.
Zweitens ist die EU bei der Innovationsfähigkeit tief gespalten. Keiner der zehn Beitrittsstaaten ist unter den führenden oder durchschnittlichen Ländern. Polen, die bei weitem größte Volkswirtschaft in Osteuropa, gehört zur Gruppe derer, die an Innovationskraft verlieren. Die Aufholjagd dieser Länder sieht die Studie pessimistisch. Im günstigsten Fall würden Ungarn und Slowenien den EU-Durchschnitt 2015 erreichen. "Unter diesem Szenario würde der Aufholprozess von Malta, der Slowakei und Polen über 50 Jahre dauern."
  • Aus der FTD vom 13.01.2006
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