FTD.de » Politik » Deutschland » Sachverständige warnt vor Steuererhöhung

Merken   Drucken   29.08.2005, 22:11 Schriftgröße: AAA

Dossier: Sachverständige warnt vor Steuererhöhung  

Vor einer Anhebung der Mehrwertsteuer hat die Wirtschaftssachverständige Beatrice Weder di Mauro gewarnt. Die Unionspläne einer Mehrwertsteuererhöhung waren bereits bei Wirtschaftsverbänden und Konjunkturexperten auf Kritik gestoßen. von Mark Schieritz, Mainz
"Eine Erhöhung kann nur gerechtfertigt werden, wenn sie zur Reduktion der Lohnnebenkosten verwendet wird", sagte die Ökonomin, die Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung ist. Falsch sei es, die Einnahmen zu nutzen, um Etatlöcher zu stopfen. "Aus konjunktureller Sicht könnte eine Anhebung derzeit problematisch sein", sagte Weder di Mauro im Gespräch mit der FTD.
Die Union plant im Fall eines Wahlsiegs, die Mehrwertsteuer von derzeit 16 auf 18 Prozent anzuheben. Ein Teil der staatlichen Einnahmen würde dabei in die Länderhaushalte fließen, statt zu einer Entlastung bei den Abgaben zu führen. Die Ökonomin fürchtet, dass dadurch der Konsum gebremst wird. Laut einer Umfrage der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bremst die geplante Steuererhöhung bereits jetzt die Zuversicht der Verbraucher.
Die Unionspläne waren in den vergangenen Wochen bereits bei Wirtschaftsverbänden und Konjunkturexperten auf Kritik gestoßen. Die Union setzt darauf, dass die konjunkturelle Belastung begrenzt bleibt.
Verschuldung nicht zu schnell reduzieren
Zwar ist es nach Einschätzung Weder di Mauros nicht ratsam, die Konjunktur aktiv anzukurbeln. "Wir sind am Limit, was die Fiskalpolitik angeht." Allerdings sei die Konjunkturlage noch so "delikat", dass eine Konsolidierung der Staatsfinanzen, etwa über höhere Steuern, gefährlich werden könnte. "Klar ist, dass die Neuverschuldung zurückgeführt werden muss. Die Frage ist nur, wie schnell die Konsolidierung voranschreiten soll."
Nach Einschätzung der Expertin hat sich die Qualität des Standorts an sich verbessert. "Die Unternehmen haben ihre Bilanzen konsolidiert. Die Lohnzurückhaltung hat die Wettbewerbsfähigkeit verbessert", so Weder di Mauro: "Wenn ich eine Hedge-Fonds-Managerin wäre, würde ich auf Deutschland setzen."
Weniger skeptisch als manche Kollegen zeigte sich die Wirtschaftsprofessorin auch bei der Frage, ob Deutschland angesichts des hohen Lohnniveaus als Produktionsstandort noch eine Zukunft hat. "Deutschland hat im Mittel- und Hochtechnologiesektor einen komparativen Vorteil. Hier kommt es vor allem auf Kapital und Wissen an." Die Autoindustrie sei extrem stark im internationalen Wettbewerb und habe im Inland Arbeitsplätze geschaffen.
Eine Gefahr sieht die Expertin derzeit eher in der Entwicklung der Ölpreise. Diese belasteten die Konjunktur, so Weder di Mauro.
Deutsche Banken: Ruf nach Reform
Mit der Forderung nach einer Deregulierung des Bankensektors hat die Wirtschaftssachverständige Beatrice Weder di Mauro in die Reformdebatte eingegriffen. Eine solche Maßnahme würde "einen Beitrag zu höherem Wachstum leisten", so ihre Hoffnung.
Damit bringt Weder di Mauro einen Aspekt ins Spiel, der in der politischen Diskussion bislang kaum eine Rolle spielte. Diese drehte sich vor allem um Reformen am Arbeitsmarkt und in den Sozialsystemen.
"Der öffentlich-rechtliche Bankensektor macht in Deutschland fast die Hälfte des Bankensystems aus und ist im Vergleich mit anderen Industrieländern extrem hoch. Es gibt keine guten Gründe für eine derart hohe Beteiligung des Staates im Bankensektor", so die Ökonomin. Zwar sei es innerhalb der verschiedenen Sektoren - Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken - inzwischen zu Fusionen und Übernahmen gekommen. Nötig seien aber Zusammenschlüsse über die Grenzen hinaus. "Die Konsolidierung hat innerhalb der Säulen stattgefunden. Dadurch konnten Schieflagen verhindert werden, jedoch konnten nur minimale Effizienzeffekte realisiert werden."

Dieses ist ein kostenpflichtiger Inhalt der FTD. Bitte melden Sie sich an, um fortzufahren!

Abonnenten
Sie haben kostenlosen Zugang zum Weiterlesen oder Herunterladen. Bitte melden Sie ich mit Ihren Zugangsdaten über die Anmeldebox an.

Nicht-Abonnenten
Wenn Sie Interesse an einem FTD-Abo haben, informieren Sie sich über die verschiedenen Abo-Angebote unter www.ftd.de/abo-vergleich.

Alternativ können Sie für den Zugriff auf den gewünschten Inhalt ein Tagesticket erwerben. Für den Erwerb eines Tagestickets müssen Sie bei uns registriert sein (zur Registrierung). Nach Registrierung melden Sie sich einfach über die Anmeldebox an. Anschließend können Sie das Tagesticket erwerben.

Das Tagesticket bietet für 2,50 € einen 24-Stunden-Vollzugriff auf...

  • ...alle Premium-Artikel auf FTD.de
  • ...das aktuelle ePaper (Zeitung als PDF) und 1-Monats-Archiv der FTD
  • ...die Nachmittagsausgabe FTD 17 Uhr (PDF)
  • ...alle Sonderbeilagen der FTD (PDF)
  • ...alle älteren Ausgaben der FTD über einen Archiv-Zugang
  • ...alle archivierten Online-Artikel
Login

Statten Sie Ihre Mitarbeiter oder Key-Accounts mit dem Informationsangebot der FTD aus. Über Unternehmenslösungen für Abonnements oder Online-Zugänge informiert Sie gern unsere Abteilung Business Cooperations, corporate-solutions(at)ftd.de.

Bei Fragen rund ums Abo wenden Sie sich bitte an unsere Service-Zentrale unter kundenservice@ftd.de
Bei Fragen oder Problemen zu Ihrer Einzelverkaufsabrechnung wenden Sie sich bitte direkt an Click & Buy
  • Aus der FTD vom 30.08.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Pläne zur Einlagensicherung: Für die Kanzlerin ein Angebot zur Güte

    Die Bundeskanzlerin lehnt Eurobonds kategorisch ab. Vielleicht könnte sie den Plänen zu einer europäischen Einlagensicherung eher zustimmen? Das Vertrauen in die Banken würde steigen. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote