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Merken   Drucken   11.12.2005, 20:14 Schriftgröße: AAA

Dossier: Schattenwirtschaft droht zu wachsen  

Die Politik der großen Koalition könnte in den kommenden beiden Jahren zu einer Ausweitung der Schattenwirtschaft in Deutschland führen. Der renommierte österreichische Finanzexperte Friedrich Schneider schätzt, dass vor allem die höheren Mehrwertsteuersätze dazu beitragen, dass Firmen und Verbraucher aus der offiziellen Wirtschaft fliehen werden. von Thomas Fricke, Berlin
Bauarbeiter auf einer Baustelle   Bauarbeiter auf einer Baustelle
Bis 2007 werde sich der Umfang der Schattenwirtschaft durch den Koalitionsvertrag per Saldo um 3 bis 4 Mrd. Euro ausweiten, sagte Schneider der Financial Times Deutschland.
Sollte sich die Prognose bestätigen, würde dies den positiven Trend stoppen, der 2004 eingesetzt hatte. Nach der Rechnung des Schattenwirtschaftsexperten aus Linz hatte es voriges Jahr erstmals in Deutschland einen Abbau der inoffiziellen Wirtschaft gegeben, der sich auch 2005 fortgesetzt haben dürfte. Dazu hatten nach Schneiders Schätzungen vor allem die stark boomenden Minijobs beigetragen. Diese waren 2003 vereinfacht und von Abgaben entlastet worden.
Allein die Anhebung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent werde bis Ende 2007 dazu führen, dass zusätzliche 3,5 bis 5,5 Mrd. Euro am Fiskus vorbei erwirtschaftet würden, schätzt Schneider. Ein verstärkter Anreiz zur Schwarzarbeit drohe auch durch die Abschaffung der Eigenheimzulage. Diesen Effekt veranschlagt er mit 1,5 bis 2 Mrd.Euro. Dazu kämen mögliche Ausweichreaktionen auf die Abschaffung der Ich-AGs sowie auf die geplante Reichensteuer. Beides zusammen könnte noch einmal 1,6 bis 2,7 Mrd. Euro zusätzlich in die Schattenwirtschaft treiben.
Diesen negativen Effekten stehe entgegen, dass dank der beabsichtigten Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung 1 bis 2,5 Mrd. Euro weniger schwarz erwirtschaftet werde, sagte Schneider. Auch könne die steuerliche Absetzbarkeit von Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen zu einem Abbau von Schattenaktivitäten um 2,5 bis 3 Mrd. Euro führen. Dies werde allerdings nicht reichen, um die Ausweitung durch die anderen Vorhaben der Koalition auszugleichen. Gemessen an dem, was bisher abschätzbar sei, drohe die Schattenwirtschaft in Deutschland damit von etwa 346 Mrd. Euro 2005 auf 349 bis 350 Mrd. Euro in den kommenden beiden Jahren zu wachsen, sagte Schneider.
Den Berechnungen zufolge hatte die Schattenwirtschaft in Deutschland 2003 mit 370 Mrd. Euro einen Höhepunkt erreicht. Das entsprach etwa 17,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. In diesem Jahr dürften es dank des zwischenzeitlichen Abbaus nur noch 15,6 Prozent gewesen sein. Allein die erweiterte Minijob-Regelung habe in den Jahren 2004 und 2005 zu einem Rückgang der Schwarzarbeit im Wert von 15 bis 20 Mrd. Euro beigetragen.
  • Aus der FTD vom 12.12.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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