Die Geschäftsführerin der Stiftung, Ingrid Hamm, sagte, die "ökonomischen Fehlanreize" seien zusammen mit einem "kindentwöhnten Umfeld" der Hauptgrund für den starken Geburtenrückgang in Deutschland.
Der Vorsitzende der Stiftungskommission "Familie und demographischer Wandel", Kurt Biedenkopf, sagte , es fehle ein gerechter Ausgleich zwischen ökonomischen Lasten und Nutzen der Kindererziehung. "Die Kosten von Kindern werden weitgehend privatisiert, der spätere Nutzen für die Allgemeinheit jedoch sozialisiert", sagte er.
Das zeige sich am deutlichsten in der gesetzlichen Rentenversicherung, so Biedenkopf. Dort errechnete die Ifo-Studie für ein im Jahr 2000 geborenes Kind mit durchschnittlichem Erwerbsverlauf einen Überschuss von 139.000 Euro seiner Beiträge über die empfangenen Leistungen. Nehme man sämtliche öffentlichen Leistungen sowie alle Zahlungen an den Staat, also Steuern und Sozialbeiträge, zusammen, bringe das Kind Bund, Ländern und Gemeinden 77.000 Euro mehr ein, als es koste. "Der Staat legt jedem Neugeborenen einen Schuldschein in dieser Höhe in die Wiege", kritisierte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.
Die Robert-Bosch-Stiftung unterstützt vor diesem Hintergrund ausdrücklich neue familienpolitische Leistungen wie etwa das so genannte Elterngeld, das die Bundesregierung 2007 einführen will. Dabei sollen Eltern im ersten Lebensjahr des Kindes einen Einkommensersatz von 67 Prozent des Nettoeinkommens - maximal 1800 Euro - erhalten. Ziel ist es, das Kinderkriegen auch für besserverdienende Eltern attraktiv zu machen.
Die Stiftungskommission "Familie und demographischer Wandel" betonte darüber hinaus in ihrem parallel vorgelegten Abschlussbericht, dass die Entscheidung für oder gegen Kinder nicht auf rein ökonomische Faktoren verengt werden dürfe. "Im kindentwöhnten Deutschland muss es uns gelingen, Vertrauen in die eigene Zukunft und Wertschätzung für Kinder wieder herzustellen", sagte Hamm. Dazu gehöre eine Veränderung der Wahrnehmung von Familien in der Gesellschaft, aber auch staatliche Unterstützung: etwa Hilfestellung von Kommunen, um Nachbarschaftshilfe und soziale Netzwerke zwischen Jung und Alt aufzubauen.
Die Kommission fordert zudem die Einführung eines steuerlichen Familiensplittings nach französischem Vorbild. Dabei wird das Familieneinkommen nicht nur auf die Ehepartner aufgeteilt und praktisch einzeln versteuert wie in Deutschland, sondern auf alle Familienmitglieder. Wegen der Freibeträge und der Steuerprogression zahlen Familien dadurch umso weniger Steuern, je mehr Kinder sie haben.
Schließlich sei ein Umbau des Rentensystems nötig, so die Kommission. Rentenzahlungen sollten nicht nur von den geleisteten Beiträgen aus Erwerbseinkommen, sondern auch von der Kinderzahl abhängig sein. Kinderlose und "Kinderarme" würden dann nur noch eine geringe Grundrente erhalten.
Die neue Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) begrüßte die Ergebnisse der Studien. "Sehr erfreulich" nannte sie die Tatsache, dass die Kommission ausdrücklich die Verantwortung der Männer für die Kinderentscheidung betone.
Eine Studie des Familiensoziologen Hans Bertram von der Humboldt-Universität Berlin belegt, dass Männer sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland häufiger kinderlos bleiben als gleichaltrige Frauen. Dabei sind es im Osten vor allem Männer mit Hauptschulabschluss, die keine Familie gründen, während im Westen die Kinderlosigkeit parallel zu jener der Frauen mit dem Bildungsniveau zunimmt.
Biedenkopf forderte, die Männer stärker in die Debatte einzubeziehen. Die Studie zeige, dass es häufig die Männer seien, die die Familiengründung bremsten. "Männer müssen jetzt auch mal erklären, wie sie sich unsere Gesellschaft künftig vorstellen, wenn ein Viertel von ihnen keine Kinder will", sagte der frühere sächsische Ministerpräsident.