Schon wieder muss Rösler eine Errettungsansprache halten. Das war schon auf dem Parteitag in Frankfurt so, auf den Regionalkonferenzen davor. Vor einem Jahr auf dem Dreikönigstreffen war es Guido Westerwelle, der seine Partei und seine Position retten musste, es gelang ihm, aber vier Monate später musste er zurücktreten.
Auch wenn Rösler etwas Neues angekündigt hat, das Bild im Stuttgarter Staatstheater knüpft nahtlos an den Vorabend an. Ein ehrwürdiger Saal, ein graues Publikum und endlose Begrüßungen. Irgendwann hält Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel eine Rede, der einmal Generalsekretär war, als Westerwelle noch auf dem Posten des Parteichefs saß. Er komme ja in seinem jetzigen Job viel herum erzählt Niebel, etwa nach Kongo. Deutschland dagegen: "Eine Insel des Wohlstands". Das sagt er dann in drohendem Ton "geht ohne SPD und Grüne, das geht auch ohne CDU/CSU aber nicht ohne FDP". Ist das jetzt schon das neue Argument für die FDP, das Deutschland ohne sie zum Entwicklungsland wird? "Wir sind laut BBC zurzeit das beliebteste Volk der Erde", sagt Niebel. "nicht trotz, sondern weil wir Guido Westerwelle in der Regierung haben". Niebel bekommt eine Menge Beifall.
Der neue Generalsekretär Patrick Döring muss eine kämpferische Rede halten, besonders, nachdem er Rösler mit eine paar Worten bloßgestellt hat, von denen dieser später sagt, sie waren gar nicht so gemeint. Rösler sei kein Kämpfer, hat Döring etwa gesagt. Also zeigt er dem Publikum, wie er sich einen Kämpfer vorstellt, viele Fäuste, drohende Bewegungen, sein Kopf wackelt böse auf dem Körper, sein Zeigefinger droht, sein Oberkörper bebt. "Chancen statt Verbote!" ruft er.