Die Vizechefin der Linken, Katja Kipping, hat der Parteiführung im Streit um einen Kandidaten für den Parteivorsitz ein Ultimatum gestellt. "Wir erwarten bis heute Abend, spätestens morgen früh eine konsensuale Lösung. Sonst wird es eine dritte Lösung geben", sagte sie der FTD nach einem Treffen mit den Landeschefs. In der Linken tobt ein Machtkampf zwischen Ex-Parteichef Oskar Lafontaine und Fraktionschef Dietmar Bartsch um den Parteivorsitz, über den am Dienstagnachmittag ab 14 Uhr die Parteiführung mit den Landeschefs beraten will.
Eine direkte Kandidatur um den Parteivorsitz gegen Bartsch kommt für Lafontaine indes nicht in Frage. "Es ist klar, dass eine Kampfkandidatur ausscheidet", sagte er vor dem Spitzentreffen zum Führungsstreit der Partei. "Das wäre nicht unbedingt der krönende Abschluss meiner Karriere." Damit schließt Lafontaine eine Kandidatur aber nicht grundsätzlich aus.
Ein Konsens in dem Streit ist bislang dennoch nicht in Sicht: Lafontaine will nur unter bestimmten Bedingungen die Partei erneut führen - und eine der Bedingungen dafür soll sein, dass Bartsch auf seine Kandidatur für den Parteivorsitz verzichtet. Bartsch allerdings hat mehrfach bekräftigt, dass er auf dem Göttinger Parteitag Anfang Juni als Kandidat für den Parteivorsitz antreten will. Absagen kann der Mann aus Stralsund das kaum ohne einen massiven Gesichtsverlust - und weil immer mehr vor allem ostdeutsche Landesverbände ihn offen unterstützen. Eine Kampfkandidatur wird auch in der Partei abgelehnt, weil der Sieger, wer auch immer es wäre, zu wenig Unterstützung aus der Partei hätte, um sie aus ihrer tiefen Krise herauszuführen.
Auch die Lösung, die es vor ein paar Wochen gab, gilt wegen der tiefen Feindschaft zwischen den beiden Lagern von Lafontaine- und Bartsch-Anhängern derzeit als kaum umsetzbar. Das Modell sah vor, dass Lafontaine für den Parteivorsitz kandidiert, und Bartsch Bundesgeschäftsführer wird. Letzlich konnten sich beide nicht mit dieser Vorstellung anfreunden, die Gespräche dazu blieben erfolglos. Dafür sei zudem das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden zu zerrüttet, heißt es nun.
Wie die dritte Lösung aussehen soll, sagte Kipping nicht. Aus Parteikreisen hieß es jedoch, dass dann zwei Frauen für den Parteivorsitz kandidieren könnten - darunter die Spitzenkandidatin aus Nordrhein-Westfalen, Katharina Schwabedissen, die für ihren Wahlkampf trotz Niederlage viel Lob bekommen hat. Das Modell wollen mehrere Frauen in der Partei vorantreiben, sollten sich die beiden konkurrierenden Männer nicht einigen.
Eine allerdings dürfte nicht dazu gehören: Sahra Wagenknecht. Sie ist derzeit stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Lebensgefährtin von Lafontaine. Wagenknecht hat mehrfach betont, dass sie nicht für den Parteivorsitz kandidieren will. Am Dienstagmorgen dementierte sie zudem, dass Oskar Lafontaine Bedingungen für eine Kandidatur gestellt habe. Das sei eine "haltlose Falschmeldung", sagte die Lebensgefährtin des Saarländers im ZDF Morgenmagazin. Es gebe keine Bedingungen, auch nicht die, dass sie Fraktionsvorsitzende werden müsse. "Oskar Lafontaine wird heute nachmittag sagen, dass er das Angebot macht, und dass er das sicherlich in einem loyalen Umfeld machen möchte", sagte sie. Wer allerdings zu dem loyalen Umfeld gehört, sagte sie nicht.