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  FTD-Serie: Die Steueraffäre

Klaus Zumwinkel ist laut Staatsanwaltschaft nur einer von mehreren Hundert Verdächtigen. Ermittler sprechen von einem "Steuerskandal von historischem Ausmaß". Die FTD-Serie hält Sie auf dem Laufenden.

Merken   Drucken   15.02.2008, 10:10 Schriftgröße: AAA

Ein Fall für die Spezialfahnder

Die Spezialisten haben wieder zugeschlagen: Bei Siemens waren es die Münchner, bei Gildemeister die Bielefelder, und nun bei Klaus Zumwinkel sind es die Bochumer. Wo immer in jüngster Zeit Ermittlungen gegen Großkonzerne oder ihre Manager wegen Wirtschaftskriminalität eingeleitet wurden, standen die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften dahinter. von Claus Hecking (Hamburg)
Diese hoch spezialisierten Justizbehörden kümmern sich ausschließlich um Wirtschaftskriminalität - und sind gewöhnlichen Staatsanwaltschaften haushoch überlegen. "Die meisten Wirtschaftsdelikte sind so komplex, dass sie normale Strafverfolgungsbehörden bei Weitem überfordern", sagt Britta Bannenberg, Kriminologin der Universität Bielefeld. Uwe Dolata vom Bund Deutscher Kriminalbeamter hält die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften für den "einzigen Ansatz, Wirtschaftsdelikte ernsthaft zu bekämpfen".
Mehr als 30 Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften gibt es mittlerweile bundesweit: Know-how-Zentren, in denen Juristen gemeinsam mit Wirtschafts- und Finanzexperten Bilanzen und Firmenunterlagen unter die Lupe nehmen sollen. "Diese Fälle sind oft so kompliziert, dass sie ein Staatsanwalt ohne betriebswirtschaftliche Ausbildung gar nicht verstehen kann" , sagt Birgit Galley, Expertin für Wirtschaftskriminalität an der Berliner Steinbeis-Hochschule.
Welche Wirkung eine Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft haben kann, zeigt das Beispiel Dresden: 2004 wurde dort eine solche Spezialbehörde gegründet. Innerhalb des ersten Jahres stieg die Zahl der Ermittlungen wegen Korruption von 67 auf 158 Fälle.
Bilderserie Auf Kriegsfuß mit der Steuer
Besonders im Zusammenspiel mit den Steuerbehörden haben die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften erhebliche Vorteile. "Sie werden ernst genommen, sie sprechen mit derselben Sprache wie die Steuerfahnder", sagt Galley. Und weil man sich unter Spezialisten kennt und schätzt, funktioniert bei vielen Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften auch die Kooperation mit ihren ausländischen Pendants. "Gerade wenn die Ermittlungen in die Schweiz oder nach Liechtenstein führen, ist der kleine Dienstweg wertvoll", erzählt Dolata.
Trotz alldem sehen die Experten die Fahnder noch lange nicht auf Augenhöhe mit den Tätern. Wie andere Behörden leiden auch die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften unter Personalmangel, überalterter Technik, unzureichender Ausbildung ihrer Leute. Und die Fluktuation ist groß: Insbesondere erfolgreiche Staatsanwälte verlassen ihre Behörde nach einigen Jahren: weil ihnen kaum interne Aufstiegsmöglichkeiten eröffnet werden - und weil sie die Wirtschaft mit hohen Gehältern lockt.
Auch Unternehmen suchen zurzeit händeringend qualifizierte Ermittler. "Nahezu alle Dax-Konzerne haben in ihrem Haus Fälle von Wirtschaftskriminalität oder Korruption", berichtet die Strafrechtlerin Bannenberg. "Aber meistens kommt das nicht an die Öffentlichkeit. Die Firmen erledigen das lieber intern: Sie fürchten um ihren Ruf."
  • Aus der FTD vom 15.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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