Arbeitsagentur-Chefin Nora George
15 Jahre Stillstand
Neu angesiedelt haben sich nur einige Klein- und Kleinstbetriebe, ansonsten hat sich hier in den vergangenen 15 Jahren wenig getan. "Investoren", bedauerte die Arbeitslosen-Verwalterin, "sind vorbeigefahren, da es hier bis heute keine vernünftige Infrastrukturanbindung gibt". Erst jetzt wird die A38 ausgebaut, die das Gebiet mit Halle und Magdeburg im Osten und mit Niedersachsen im WEsten verbindet.
Aber selbst wenn die Autobahn einmal fertig ist, kann das beschauliche Städtchen, das mit einer großen Rosenausstellung wirbt, den Menschen keine wirtschaftliche Perspektive bieten. Selbst die Touristen zieht es in den bergigeren nördlichen Teil des Harzes. Einziger Lichtblick sind die Mitteldeutschen Fahrradwerke, ein alter DDR-Traditionsbetriebt, der im vergangenen Jahr an die Börse ging und gut 440 Menschen beschäftigten, einen erheblichen Teil davon allerdings auch nur als Saisonkräfte. Daneben ist die Arbeitsagentur mit ihren insgesamt rund 800 Beamten und Angestellten selbst der größte Arbeitgeber vor Ort.
Viele ziehen weg
Kein Wunder, das immer mehr Menschen der Region den Rücken kehren, "vor allem die Jungen und Motivierten", so George. Ein Drittel der Einwohner ist seit 1990 aus der mehr als 1000 Jahre alten Gemeinde mit ihren Fachwerkhäusern und gotischen und romanischen Kirchen weggezogen. Heute zählt Sangerhausen statt einst 36.000 nur noch 24.000 Bürger. Zahlreiche der gerade erst restaurierten Häuser und Wohnungen stehen leer.
Zur gleichen Zeit zählt Nora George 34.000 Erwerbslose in dem Bezirk - und nur 500 offene Stellen. Anfang des Jahres waren es zum Teil sogar nur 200. "Da sind wir handlungsunfäig", bedauert die 52-jährige Juristin, die selber bis zur Wende in der Leitung einer Konsumgenossenschaft in Halle arbeitete, die dann pleite ging, und die es ärgert, wenn ihr und ihren Kollegen immer wieder vorgeworfen wird, sich nicht genügend um die Vermittlung zu kümmern - wo es doch kaum Arbeit gibt.
Auf einem Schild am Eingang der Agentur werden ein Landmaschinen-Schlosser, eine Disponentin, ein Taxi-Fahrer und ein Erntehelfer gesucht. Aber selbst wenn Georges Mitarbeiter gelegentlich einmal einen Arbeitslosen vermitteln können, geht das in der Regel nur, wenn sie dem Betrieb eine Eingliederungshilfe zahlen. "Ohne Förderung", sagt George, "läuft hier so gut wie gar nichts."