Einigung in Berlin:Jeder soll sich zur Organspende erklären
Laut Umfragen wären 70 Prozent der Deutschen bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Doch nicht einmal 20 Prozent haben auch einen Spenderausweis. Um die Quote zu erhöhen, sollen Bürger künftig regelmäßig an das Thema erinnert werden.
Nach monatelangem Ringen ist der Weg für eine Neuregelung der Organspende frei. Die Bereitschaft der Bürger zur Spende solle regelmäßig abgefragt werden, etwa mit dem Versand der Krankenversichertenkarte, teilten die Fraktionen von CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei am Donnerstag mit. Die Menschen sollen die Erklärung auch verweigern können, hieß es in Regierungskreisen. Die Spitzen und Gesundheitsexperten aller Fraktionen im Bundestag erzielten die Einigung gemeinsam mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).
Die Bürger sollen nach Angaben der Fraktionen mit so viel Nachdruck wie möglich gefragt werden - "ohne jedoch eine Antwort zu erzwingen oder Sanktionen auszuüben". Nun soll es bis Jahresende einen fraktionsübergreifenden Gruppenantrag geben. "Es ist das gemeinsame Ziel, die Zahl der Organspender in Deutschland zu erhöhen." Die Einigung geht auf eine gemeinsame Initiative von Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) und seinem SPD-Kollegen Frank-Walter Steinmeier zurück.
Organspendeausweis: Der Weg für eine Neuregelung der Organspende ist frei
Offen ist allerdings noch, ob man die Aufforderung zu einer Erklärung einfach weglegen kann, ohne überhaupt zu reagieren. Offen sei außerdem, ob es auch andere Möglichkeiten neben dem Weg über die Krankenkassen geben soll, die Bürger zu einer Erklärung aufzufordern. Es handele sich um eine grundsätzliche Einigung auf die sogenannte Entscheidungslösung, sagte Steinmeier.
Seine Nierenspende im vergangenen Jahr an seine Frau hatte Bewegung in die Debatte gebracht. Derzeit warten etwa 12.000 Menschen, davon rund 8000 Nierenpatienten, auf ein Organ - im Schnitt fünf bis sechs Jahre lang. Alle acht Stunden stirbt einer von ihnen. Mit 16 Organspendern pro einer Million Einwohner gibt es in Deutschland besonders wenige. Bisher muss man seine Bereitschaft zur Spende aus eigener Initiative erklären - per Spendeausweis oder gegenüber den Angehörigen.
Fast 70 Prozent der Menschen sind laut Umfragen bereit, nach ihrem Tod Organe oder Gewebe zu spenden. Aber nur weniger als 20 Prozent haben ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis dokumentiert. Das stellt die Angehörigen im Ernstfall vor das Problem, den Willen ihres gerade verstorbenen Familienmitglieds im Krankenhaus zu erklären, sofern sie ihn überhaupt kennen.
Die unionsgeführten Länder Bayern und Hessen hatten schon seit Längerem für eine andere Variante geworben - für die sogenannte Widerspruchslösung, die in anderen Staaten mit hoher Spenderquote in Kraft ist. Demnach soll in Zukunft grundsätzlich jeder als Organspender betrachtet werden, der dem nicht ausdrücklich widerspricht. dpa, FTD
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