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26.01.2012, 18:31
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Einstiegsprobleme:
Der Erfolg zehrt an den Piraten
Nach ihrem rasanten Aufstieg im vergangenen Jahr rumpelt die Piratenpartei in die Realität. Die Berliner Abgeordneten machen Schlagzeilen durch interne Querelen, der Vorstand ist überarbeitet - und nun schmeißt die Vorzeigepiratin hin.
von Frauke Ladleif, Berlin
Marina Weisband will nicht mehr, besser gesagt, sie kann nicht mehr. Seit Monaten hetzt die politische Geschäftsführerin der Piraten von Interview zu Interview, wurde in den Sesseln von Harald Schmidt bis Maybritt Illner das mediale Gesicht der jungen Partei. Doch jetzt kann sie nicht mehr - "ausgebrannt" nennt es ihr Vorstandskollege Sebastian Nerz. "Ich habe festgestellt", schreibt sie auf ihrem Blog, "dass mit dem plötzlichen und unvorhergesehenen Erfolg der Piratenpartei einerseits und meiner persönlichen medialen Präsenz andererseits das Diplom nicht mit meinem Parteiamt zeitlich und physisch vereinbar ist." Sie will ihr Psychologie-Studium beenden - und genesen. Ein Paukenschlag für die Piratenpartei. Sie verliert ihr Aushängeschild, noch bevor das Rennen um die Bundestagswahl begonnen hat.
Die politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband in der Bundespressekonferenz in Berlin. Foto: Stephanie Pilick
In rasantem Tempo sind die Piraten ins Blitzlichtgewitter der Öffentlichkeit geraten. Seit der Berlin-Wahl im September 2011, bei der sie überraschend mit 8,9 Prozent ins Landesparlament einzogen, werden sie als neue politische Kraft ernst genommen. Ihre Mitgliederzahl stieg schwunghaft an und knackte vor ein paar Tagen die Marke von 20.000 - das sind 8000 mehr als noch vor vier Monaten. Im Mai nun wollen sie auch das Parlament in Schleswig-Holstein erobern - und 2013 den Bundestag.
Große Erfolge und große Ziele für eine Partei, deren Mitglieder zumeist aus Politamateuren bestehen. Angekommen im normalen Politikbetrieb, scheint der Erfolg so manch einen Piraten zu überrennen. Das zeigt nicht nur das Beispiel von Marina Weisband. Auch bei den Berliner Piraten läuft längst nicht alles rund. Statt mit eigenen Themen zu punkten, brachten sich die frisch gebackenen Abgeordneten durch interne Querelen ins Gespräch. So stellte die einzige Piratin im Abgeordnetenhaus ihren Freund als Mitarbeiter ein. Einige Wochen später zeigt der Pirat mit den orangefarbenen Latzhosen, Gerwald Claus-Brunner, ein junges Parteimitglied an. Dieser soll sich in die Computer seiner Parteikollegen gehackt haben und sie nun erpressen. Wenig später gerät Claus-Brunner selbst ins Kreuzfeuer. Er ätzte gegen ein Berliner Piratenpaar, das heiraten will. Das sei rückständig. Kurze Zeit danach vertauscht er die Stimmkarten im Abgeordnetenhaus und stimmt falsch ab.
Schließlich schickte der Parlamentarische Geschäftsführer Martin Delius aus Versehen eine E-Mail an rund 250 Bewerber für Mitarbeiterstellen und schrieb deren Mailadressen in Klartext. So wussten alle voneinander. Ein Fauxpas für eine Partei, die sich Datenschutz auf die Fahnen schreibt. Die hohe Arbeitsbelastung sei schuld, sagt Delius.
Teil2: 70 Stunden für die Piraten - neben dem Job
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FTD.de, 26.01.2012
© 2012 Financial Times Deutschland,
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