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Merken   Drucken   08.09.2010, 12:13 Schriftgröße: AAA

Energiekonzept: Hauseigentümer werden zum Sanieren verdonnert

In Deutschland tobt die Energiedebatte. Die Atommeiler bleiben länger am Netz und die Konzerne sollen dafür eine Brennelementesteuer zahlen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen will die Bürger in die Pflicht nehmen. von Georg Ismar
Bis zu 50 Prozent der verbrauchten Energie in Deutschland lassen sich einsparen, sagt Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Deshalb hat er im Energiekonzept das Thema Effizienz zur Schlüsselfrage erkoren. Hauseigentümer sollen in einem Mehrstufenplan zum Sanieren verdonnert werden. Auch wenn vieles noch unklar ist, etwa ob es Sanktionen bei einer Verweigerung geben wird, fürchtet die Branche eine massive Kostensteigerung.
Auf Gebäude entfällt fast die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs und ein Drittel der klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstöße. Drei Viertel des Altbaubestands wurden vor 1979 und damit vor der ersten Verordnung für eine bessere Isolierung errichtet. Ein Großteil der Energie geht für das Heizen drauf. Bis 2020 soll dieser Bedarf um 20 Prozent gesenkt werden, bis 2050 um 80 Prozent.
In dem Energiekonzept heißt es, dass der Standard "Nullemission" bis 2050 in der Novelle der Energieeinsparverordnung für Gebäude festgeschrieben werden soll. Das bedeutet, dass die Gebäude im Idealfall die Wärme, die sie verbrauchen, selbst produzieren. Wärme- und Stromversorgung sollen durch Öko-Energien erfolgen - etwa durch Sonnenenergie und bessere Dämmung. Bis 2020 sollen nur die am schlechtesten isolierten Gebäude saniert werden. Wenn der Eigentümer die Ziele vorzeitig erfüllt, erhält er eine staatliche Förderung. Außerdem soll das CO2-Gebäudesanierungsprogramm besser ausgestattet werden. Die Regierung betont, dass mit dem langfristigen Ansatz für alle mehr Planungssicherheit geschaffen werde.
Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) hatte für das Sparpaket zugesichert, das CO2-Sanierungsprogramm auf 450 Millionen Euro zu halbieren. Das ist ein Widerspruch. Eventuell kommt es in den Haushaltsberatungen noch zu Korrekturen. Wenn Deutschland seine Klimaschutzziele verwirklichen wolle, müssten dauerhaft wieder zwei Mrd. Euro pro Jahr für das Gebäudesanierungsprogramm zur Verfügung stehen, heißt es aus dem Bundesumweltministerium.
Der Verband Haus & Grund sagt, ein Nullenergiehaus erfordere ein komplett anderes Heiz- und Dämmkonzept als bisher. Das koste bis zu 70.000 Euro. "Die Gebäudesubstanz in Deutschland ist besser als häufig unterstellt", sagt Generalsekretär Andreas Stücke. "Untersuchungen zeigen, dass Wohngebäude im Durchschnitt nur halb so viel Wärmeenergie benötigen, wie von der Bundesregierung vermutet." Investitionen führen damit zu viel geringeren Energieeinsparungen, als regierungsseitig angenommen. Wer ein heute gebautes Haus auf Nullemissionsstandard umbauen möchte, müsste es quasi in den Rohbauzustand zurückversetzen. Deshalb behält sich der Verband juristische Schritt gegen die Vorgabe zum Sanieren vor.
Auch wenn die Mieten dadurch leicht steigen sollten, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Mieter im Gegenzug von weitaus geringeren Energieausgaben durch neue Fenster, Ökoheizkessel und energiesparende Dächer profitieren. So könnte es ein Nullsummenspiel werden - oder sogar leichte finanzielle Vorteile bringen. "Aus klima- und energiepolitischer Sicht ist der Schritt der Regierung alternativlos", sagt Ulrich Ropertz vom Mieterbund. Er setzt auf eine große öffentliche Förderung, damit einerseits für Eigentümer Sanierungsanreize geschaffen werden und zweitens die finanziellen Belastungen für die Mieter im Rahmen bleiben.
  • dpa, 08.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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