Es gibt auf Verbraucherseite eigentlich nur ein einziges Symbol für die alte Energierepublik - für jene Zeit, als man im Mix aus Kernkraft und dem Verheizen fossiler Energieträger noch die Zukunft der Stromversorgung sah. Das ist die Nachtspeicherheizung. Sie gilt als Dinosaurier der Heizungstechnik: ineffizient, teuer, unbequem. Selbst rußende Kohleöfen haben ein besseres Image als die elektrische Speicherheizung, mit der einst versucht wurde, eine gleichmäßigere Kraftwerksauslastung zu erzielen. Eigentlich war klar, dass ihr Ende beschlossene Sache ist - bis 2019 sollten Altgeräte verschwinden, jüngere Geräte hätten, nach geltender Energieeinsparverordnung, noch eine Gnadenfrist von 30 Jahren.
Und jetzt das: Der Energiekonzern RWE will, dass den alten Energiefressern eine neue Chance gegeben wird. Das mag zunächst etwa so überraschend klingen wie Milchbauern, die sich für Schulmilch einsetzen, oder Autohersteller, die für eine neue Abwrackprämie plädieren. Aber die Motive für die Speicherheizungsüberlegungen sind dann doch etwas vielschichtiger - und sehr wohl eine ernsthafte Prüfung wert.
Die Idee, die bestehenden 1,4 Millionen Nachtspeicherheizungen mit intelligenter Steuerungstechnik auszurüsten und über sie Produktionsspitzen bei der Windstromerzeugung abzufedern, ist jedenfalls eine kreative Reaktion auf die Fallstricke der Energiewende. Selbst wenn es nur eine Behelfslösung sein kann.
Die Energiewende schafft ja bekanntermaßen nicht Probleme bei der Menge des erzeugten Stroms, sondern bei der Weiterleitung und Speicherung. Das stark schwankende Angebot führt denn gelegentlich auch dazu, dass teuer geförderter Strom gar nicht eingespeist werden kann, weil die Nachfrage fehlt. Es mag seltsam klingen: Im Vergleich zu diesem Produktionsirrsinn ist der ineffiziente Verbrauch über Nachtspeicherheizungen geradezu effizient.
Trotzdem wird die Reanimation der Heizungsdinosaurier wohl im besten Fall ein winziger Zwischenschritt bei der Stabilisierung des Stromnetzes sein. Zumal Verbrauchern wenig geboten wird, wenn sie ihre E-Heizungen als Überproduktionskompensatoren zur Verfügung stellen. Vielleicht haben die ja andere Heizpläne.