Vielleicht ist er nur ein unverbesserlicher Optimist, der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, wenn er gute Fortschritte bei der Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland sieht. Oder ein Schönfärber. Denn auch bei der Vorstellung des dritten Fortschrittsberichts der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) wurde jetzt deutlich: So wird das wohl nichts mit dem stromgetriebenen Individualverkehr auf deutschen Straßen.
Sicher: Es braucht auch bei der E-Mobilität einen langen Atem, und selbst wenn seit 2008 gerade mal 4000 E-Autos in Deutschland angemeldet worden sind, muss das noch nicht gegen die langfristigen Zukunftschancen der E-Mobilität sprechen. Schließlich befinden wir uns ja offiziell in der "Marktvorbereitungsphase", auf die in zwei Jahren der "Markthochlauf" folgen soll. Man könnte jetzt also sagen: Schauen wir mal, ob es den Autokonzernen gelingt, attraktive Produkte zu konkurrenzfähigen Preisen zu entwickeln. Wenn es da nicht diese Zahl gäbe, dieses offizielle Regierungsziel - eine Zahl, von der jeder weiß, dass sie nicht erreicht werden wird: eine Million Elektro-, Hybrid-, und Brennstoffzellenautos bis 2020. Eine Million.
Es wird Zeit für etwas mehr Ehrlichkeit in Sachen alternative Antriebe. Selbst unter günstigsten Annahmen ist es mehr als fraglich, ob bis zum Ende dieses Jahrzehnts auch nur die Hälfte der angestrebten Alternativ-Auto-Flotte auf Deutschlands Straßen unterwegs ist. Und schon das wäre ein großer Erfolg beim jetzigen Entwicklungsstand. Denn im Moment kann es einfach nicht funken, vor allem nicht zwischen Autokäufern und Stromkutschen. Das weiß die Industrie, das weiß auch die Politik. Die E-Autos haben im Vergleich zu konventionell angetriebenen Fahrzeugen immer noch ein verheerendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Reichweitenproblem der Elektromobile macht sie zwar vielleicht noch zum Gefährt für Pflegedienste oder Postzusteller. Aber nicht für Familien und andere Kfz-Nutzer, die mit dem Auto mehr als nur Stadtfahrten erledigen wollen. Da hilft es auch nicht, wenn das E-Auto zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit ist - wenn die Unsicherheit bleibt, ob man damit jemals tatsächlich zum Beispiel von Hamburg nach Berlin kommt, werden E-Autos nicht massentauglich.
Diese Nachteile der E-Mobilität zu beheben ist Aufgabe der Industrie - und nicht eines wie auch immer gearteten Förder-Arrangements. Denn sie ist es, die am Ende von einem ausgereiften, massenmarkttauglichen Produkt am meisten profitiert. Die Bundesregierung sollte sich jedenfalls weiter taub stellen, wenn angesichts der nur langsamen Fortschritte wieder Rufe nach stärkeren Subventionen für die E-Autos laut werden. Im Zweifel sollte sie besser schnell das illusorische Millionenziel kippen.