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Merken   Drucken   08.07.2012, 20:55 Schriftgröße: AAA

Energiewende: Netzausbau billiger als gedacht

Die Bundesnetzagentur hat nach FTD-Informationen die Kosten für den Ausbau der Stromtrassen im Zuge der Energiewende zu hoch veranschlagt. In einer Neuberechnung nimmt die Behörden Posten heraus, die auch ohne Atomausstieg abgefallen werden - das reduziert die Rechnung deutlich.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Martin Gerten
Exklusiv Die Bundesnetzagentur hat nach FTD-Informationen die Kosten für den Ausbau der Stromtrassen im Zuge der Energiewende zu hoch veranschlagt. In einer Neuberechnung nimmt die Behörden Posten heraus, die auch ohne Atomausstieg abgefallen werden - das reduziert die Rechnung deutlich.
von Berlin

Der geplante Ausbau des deutschen Stromnetzes ist deutlich günstiger als zunächst veranschlagt. Das geht aus einer Berechnung der Bundesnetzagentur hervor, die die Kosten des Netzentwicklungsplans mit den Ausgaben vergleicht, die ohnehin angefallen wären. So würden sich im Jahr 2022 Kosten "von mindestens 2 Mrd. Euro ergeben", heißt es in dem Bericht, der der FTD vorliegt. Dagegen stellt die Behörde die "Gegenpositionen", die sie mit circa 1,2 Mrd. Euro pro Jahr beziffert.

Die Zahlen relativieren die Kritik an den Kosten des Netzentwicklungsplans. Ende Mai präsentierten die Netzbetreiber Ausbaupläne mit einem Volumen von 20 Mrd. Euro bis 2022. Das entspricht 2 Mrd. Euro pro Jahr - und ist damit für den einzelnen Stromkunden kaum noch spürbar. Zudem wäre ein Teil der Kosten ohnehin angefallen, wie die Bundesnetzagentur nun bestätigt. Sie antwortet damit auf eine Anfrage des SPD-Energiepolitikers Ulrich Kelber.

Auch ohne die Energiewende wären zum Beispiel die Kosten für den zunehmenden Stromaustausch im europäischen Binnenmarkt angefallen. Die Netzagentur beziffert die Kosten für grenzüberschreitende Interkonnektoren auf 1,8 Mrd. Euro, also 180 Mio. Euro pro Jahr. Diese Kosten sind im neuen Ausbauplan bereits enthalten. Sowieso angefallen wären auch Reparaturkosten in Höhe von 60 Mio. Euro pro Jahr an Stromtrassen, die nun aufgerüstet werden sollen.

Dazu kommen große Ersparnisse durch die Vermeidung von Engpässen. Um die Netze bei Wind stabil zu halten, müssen die Betreiber Windparks abregeln und konventionelle Kraftwerke hoch- oder runterfahren. Die Kosten dafür liegen bereits im dreistelligen Millionenbereich. Bis 2022 könnten sie ohne Netzausbau auf 800 Mio. Euro pro Jahr wachsen, schätzt die Netzagentur. "Es ist intuitiv plausibel, dass die Investition in den Leitungsausbau sich - zumindest im Einzelfall - schnell bezahlt machen kann", schreibt Behördenchef Jochen Homann. So würde die geplante Thüringer Stromtrasse mit Investitionen von 20 Mio. Euro pro Jahr Ersparnisse von 47 Mio. Euro auslösen.

Anders sieht die Kostenrechnung aus, wenn die Bevölkerung den Einsatz von Erdkabeln anstelle von Freileitungen erzwingt. Die wären laut Netzagentur viermal so teuer.

  • Aus der FTD vom 09.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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