Der Erlass ist Teil eines möglichen informellen Geschäfts: Die Regierung verzichtet auf die Steuereinnahmen, die Konzerne akzeptieren die Verkürzung der Atomlaufzeiten und sehen von Klagen ab. Zudem könnten sie in die Energiewende investieren. So müssen in Deutschland zahlreiche moderne Gaskraftwerke entstehen, damit die Atommeiler schnell abgeschaltet werden können.
Durch den Steuererlass riskiert die Koalition allerdings ihre Glaubwürdigkeit. Begründen will sie ihn Regierungskreisen zufolge damit, dass die Steuer nur die Gewinne aus der Laufzeitverlängerung für die 17 deutschen Atomkraftwerke abschöpfen sollte, nun aber kürzere Laufzeiten angestrebt werden. Allerdings hatte die Regierung noch im Herbst 2010 großen Wert auf die Feststellung gelegt, beides habe nichts miteinander zu tun.
In der Gesetzesbegründung heißt es, die Steuereinnahmen sollten zur Sanierung des maroden Atommülllagers Asse verwendet werden. An den Kosten, die auf mehrere Milliarden Euro geschätzt werden, hat sich durch die Energiewende nichts geändert.
Die Kernbrennstoffsteuer, wie sie offiziell heißt, sollte ursprünglich 2,3 Mrd. Euro für den Bundeshaushalt einbringen. Ohne die acht Meiler, die wegen des Atom-Moratoriums für vorerst drei Monate abgeschaltet sind, kämen noch bis zu 1,5 Mrd. Euro zusammen.