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Merken   Drucken   19.01.2012, 00:04 Schriftgröße: AAA

Energiewende: Süddeutschland findet keine Gasinvestoren

Exklusiv In Bayern und Baden-Württemberg soll Atomstrom durch Gaskraftwerke ersetzt werden. Doch die Länder finden dafür keine Geldgeber - nun sind Teile der Energiewende in Gefahr. von Nikolai Fichtner  Berlin
Bayern und Baden-Württemberg finden keine Geldgeber für neue Gaskraftwerke. "In Süddeutschland brauchen wir dringend zuverlässigen Ersatz für die Kernkraftwerke", sagte der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) der FTD. "Doch das Problem in den Gesprächen mit den Investoren ist immer wieder die mangelnde Rentabilität." In den vergangenen Monaten hat Bayerns Staatsregierung etwa Gespräche mit dem russischen Gaskonzern Gazprom  geführt, allerdings ergebnislos. "Gazprom ist sehr interessiert, wartet aber noch ab", sagte Zeil.
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Der Südwesten hat das gleiche Problem wie Bayern. "Es gibt in Baden-Württemberg keine Anreize für neue Kraftwerke", sagte der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). So habe zum Beispiel EnBW  einen fertig genehmigten Kraftwerksstandort im Land, baue aber nicht. "Wenn wir uns dem Problem nicht widmen, werden wir nach 2015 in eine Situation kommen, doch Atomkraftwerke am Netz lassen zu müssen", sagte Untersteller.
In Süddeutschland gerät die Energiewende damit zunehmend in Gefahr. Die Region leidet am stärksten unter dem Atom-Aus. Dort liegen die großen Verbrauchszentren und die meisten Atomkraftwerke. Ende 2015 und 2017 gehen mit Grafenrheinfeld und Gundremmingen B zwei weitere vom Netz. Zwar stoßen erneuerbare Energien in diese Lücke - aber Strom liefern sie nur bei Wind und Sonne. Damit die Versorgung auch bei Flaute und im Dunkeln gesichert ist, braucht man neue Gaskraftwerke als Back-up.
Doch die rechnen sich immer weniger: Je höher der Anteil der Erneuerbaren steigt, desto seltener laufen konventionelle Kraftwerke. Zudem drückt der subventionierte Ökostrom, der fast keine Produktionskosten verursacht, die Strompreise weiter. FDP-Politiker Zeil forderte als Konsequenz, den geltenden Vorrang von Ökostrom bei der Netzeinspeisung einzuschränken.
Neuer Fördermechanismus
Grünen-Politiker Untersteller schlug dagegen ein Modell für einen bundesweiten Fördermechanismus vor, der Kraftwerke einfach für ihr Vorhandensein bezahlt. Demnach solle bei der Netzplanung ein für die Versorgungssicherheit nötiger Mindestkraftwerkspark definiert werden. Bei einer Auktion könnten sich dann die Unternehmen um Standorte bewerben, der günstigste Anbieter erhielte den Zuschlag. Die Berliner Unternehmensberatung LBD schätzt die Kosten auf 50 Mio. Euro pro Jahr für ein mittelgroßes Kraftwerk. Dies sei deutlich billiger, als darauf zu setzen, dass höhere Strompreise den Bau rentabel machen.
  • Aus der FTD vom 19.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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