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31.10.2011, 07:35
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Engpass bei Energieversorgung:
Stromnetz bremst Windkraft aus
Exklusiv
Gerade wenn viel Wind weht, produzieren Windkraftanlagen oft keinen Strom: Sie müssen teilweise abgeschaltet werden, weil das deutsche Stromnetz in einem zu schlechten Zustand ist.
von Friederike von Tiesenhausen Berlin
Wegen des schlechten Zustands des Stromnetzes müssen immer mehr Windparks abgeschaltet werden, wenn viel Wind weht. Laut einer aktuellen Studie, die der FTD vorliegt, hat sich der Umfang dieser Zwangsdrosselungen zwischen 2009 und 2010 in etwa verdoppelt - obwohl in beiden Jahren vergleichsweise wenig Wind wehte. Die Studie im Auftrag des Bundesverbands Windenergie (BWE) warnt zudem: "In den nächsten Jahren ist von einem weiteren Anstieg der Ausfallarbeit auszugehen."
2010 schalteten die Netzbetreiber in insgesamt 1085 Einsätzen Windräder herunter
Der Anstieg erklärt sich vor allem aus der Schere zwischen dem rasanten Zubau von Windkraft und dem schleppenden Ausbau der Netze. Im ersten Halbjahr trug Windstrom bereits 7,5 Prozent zur gesamten deutschen Stromnachfrage bei - Tendenz steigend. Auch bei der Abkehr von der Atomenergie konzentriert sich die Bundesregierung vor allem auf Wind als derzeit kostengünstigste grüne Stromquelle.
2010 schalteten die Netzbetreiber in insgesamt 1085 Einsätzen Windräder herunter - gegenüber noch 285 Einsätzen im Vorjahr. Die so vernichtete Strommenge ist laut der Beratungsgesellschaft Ecofys um bis zu 69 Prozent höher als 2009, ein Anstieg um etwa die Hälfte gilt als gesichert. Zwar werden die Windmühlenbesitzer seit 2009 für dieses "Einspeisemanagement" entschädigt, doch die Abrechnung erfolgt oft verspätet: "Es gibt Einzelfälle, in denen vor mehr als einem Jahr abgeschaltet wurde, aber noch immer nicht entschädigt wurde. Das ist ein klarer Gesetzesverstoß", klagt BWE-Präsident Hermann Albers.
Die unzureichende Abrechnungspraxis ist auch der Grund, warum der BWE die Studie bei Ecofys in Auftrag gab. Denn die Zahlen der Bundesnetzagentur beruhen auf den Entschädigungsmeldungen der Netzbetreiber. "Wir glauben nicht, dass die Netzagentur die gesamten Ausfallzeiten richtig erfasst."
Während die Netzagentur Anfang Oktober einen Ausfall für das Jahr 2010 von 127 Gigawattstunden bekannt gab, geht die BWE-Studie von bis zu 150 Gigawattstunden aus, die nicht im Netz landeten. Besonders häufig wird im Norden abgeschaltet. Hier gibt es die meisten Windparks, aber auch ein besonders schwaches Netz. Bei einzelnen Windparks wurden im Jahr 2010 bis zu 20 Prozent des produzierten Strom nicht eingespeist.
Auch für den Verbraucher ist dies ärgerlich: Denn die Entschädigungen werden auf die Ökostromumlage angerechnet, treffen also die Stromkunden. Für die Netzbetreiber fehlt somit ein Anreiz, den Netzausbau voranzutreiben. Albers regt daher an: "Ein steigender Eigenhaftungsanteil der Netzbetreiber wäre gut, damit sie ihre Ausbaupflicht besser wahrnehmen."
Infografik: Wo das Stromnetz ausgebaut werden muss
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Aus der FTD vom 31.10.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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