FTD.de » Politik » Deutschland » Niebel beschneidet sich selbst
Merken   Drucken   22.11.2012, 20:38 Schriftgröße: AAA

Entwicklungshilfe-Etat: Niebel beschneidet sich selbst

Der Entwicklungsminister stimmt der Kürzung seines Etats 2013 selbst zu - dabei hätte er das mit Hilfe von Mehrheiten außerhalb der Koalition rückgängig machen können. Die Opposition bezichtigt ihn deshalb des Wortbruchs.
© Bild: 2012 AFP/JOHANNES EISELE
Der Entwicklungsminister stimmt der Kürzung seines Etats 2013 selbst zu - dabei hätte er das mit Hilfe von Mehrheiten außerhalb der Koalition rückgängig machen können. Die Opposition bezichtigt ihn deshalb des Wortbruchs.
von Berlin

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) nimmt es hin, dass sein Etat im Wahljahr erstmals seit 2004 geringer ausfällt als im Vorjahr. Der Haushaltsausschuss hatte den Rotstift angesetzt und 124 Mio. Euro aus seinem Entwurf gestrichen. Das hätte der Minister im Bundestag mit Unterstützung der Opposition wieder rückgängig machen können. Doch Niebel verweigerte derartige "taktische Spielchen" und stimmte gegen deren Antrag. "Ich respektiere die Entscheidung des Parlaments", sagte er am späten Mittwochabend.

Dabei hatte Niebel zuvor selbst mit Kritik an der Kürzung nicht gespart. Dann aber ging der Fraktionszwang der Koalitionäre vor. Ein Antrag der Grünen auf mehr Geld fand keine Mehrheit. Doch Niebel kann jetzt den Vorwurf, Deutschland breche internationale Finanzzusagen für die Armen, bequem ans Parlament weiterreichen.

Denn bis 2015 soll die Regierung 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung in Entwicklungszusammenarbeit investieren. Ohne Steigerung 2013 wird das noch unerfüllbarer als bisher, sagen Experten. Nun sagt Niebel: Der Souverän habe es so gewollt, wenn Deutschland diesem "selbst gesteckten Anspruch so nicht mehr gerecht werden kann".


Unteres Mittelfeld
Soll Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2015 für Entwicklungshilfe 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung zu zahlen.
Ist In absoluten Summen war Deutschland 2011 zweitgrößter Geber. Mit einem Anteil von 0,4 Prozent des BIPs landete es aber hinter Frankreich und Großbritannien im unteren Mittelfeld. In drei Jahren schwarz-gelber Koalition stieg das Budget des Entwicklungsressorts um 7,4 Prozent, in den vier Jahren davor um 48,8 Prozent.

Zu verdanken hat der Minister die Kürzung seines Entwurfs vor allem Parteifreund Jürgen Koppelin. Der habe sich wohl nicht immer gut behandelt gefühlt, hieß es in Ausschusskreisen. Nach der Schlussabstimmung des Bundeshaushalts am Freitag wird das Ministerium 2013 somit über 6,3 Mrd. Euro verfügen - 86,5 Mio. Euro weniger als im Vorjahr. "Ich bin ganz sicher, der Minister wird mit diesem Etat wunderbar klarkommen", erklärte Koppelin in der Debatte.

Die Opposition und Hilfsorganisationen übertrafen sich am Donnerstag mit Kritik. In den vergangenen Jahren waren die Gelder zumindest moderat angewachsen. Außer fünf Unionsabgeordneten hätten sich alle Abgeordneten dem Fraktionszwang gebeugt, monierte Grünen-Politiker Thilo Hoppe. Einschließlich des Entwicklungsministers "kapitulierten sie vor ihren Haushälterinnen - unter Murren und gegen ihre Überzeugung". SPD-Haushaltspolitiker Martin Gerster sprach von einem Offenbarungseid von Schwarz-Gelb. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der von Niebel noch stolz als "Rekordhaushalt" eingebrachte Entwurf "regelrecht rasiert wurde", sagte er bei der Vorstellung des Berichts "Die Wirklichkeit der Entwicklungshilfe" von Terre des Hommes und der Welthungerhilfe in Berlin.

Für die CDU verteidigte Ausschusskollege Volkmar Klein den Schnitt als Kompromiss. Es sei die EU, die weniger Geld anfordere, im Entwicklungsetat werde keine Position gekürzt. Ein "Abschmelzen" entstehe, weil 80 Mio. Euro humanitäre Nothilfe an den Außenminister gehe. Auch das ein Geschenk Niebels an Parteifreund Guido Westerwelle.

  • Aus der FTD vom 23.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler