Und Frankreich? Nicolas Sarkozy will, dass der Fonds gekaufte Staatsanleihen bei der EZB hinterlegen darf und dafür Geld bekommt, mit dem er erneut Anleihen kaufen kann. Dass er also wie eine private Bank agiert. Dies lehnt Deutschland ab und die EZB auch - weil dies eine Staatsfinanzierung durch die Zentralbank sei. Und die ist verboten. Angela Merkel klagt, Sarkozy habe sich "keinen Millimeter" bewegt. Welch Dramatik: Die Kanzlerin hat ihre Regierungserklärung zum Gipfel für Freitagmorgen abgesagt. Ein weiterer Gipfel soll her, in der nächsten Woche, falls bis dahin diese Streitfrage geklärt ist. Ach ja, die Beteiligung des Privatsektors am zweiten Hilfspaket für Griechenland muss auch noch geklärt werden.
Wie kann so etwas passieren? Wieso dieses Hin und Her, dieser Streit, dieses Chaos?
Wir unterstellen den Euro-Rettern, dass sie im Jahr zwei dieser epochalen Krise die Ursachen verstanden haben. Wir glauben, dass sie die Instrumente geschaffen haben, um die Krise zu bekämpfen. Sie haben die Brisanz erkannt, sie begreifen, was auf dem Spiel steht. Deshalb ist nicht zu verstehen, wie solch ein Durcheinander nur wenige Stunden vor einem der wichtigsten Gipfel über die Zukunft Europas entstehen kann. In Zeiten, in denen kleine Halbsätze Märkte erschüttern, darf so etwas nicht passieren.
Zumal es beim Thema Hebel längst einen Kompromissvorschlag gab. Deutschland und Frankreich haben sich beide verrannt: Merkel sprach plötzlich viel zu laut über einen Zahlungsausfall Griechenlands (der vor allem französische Banken gefährdet). Sarkozy packte im Gegenzug eine alte Lieblingsidee wieder aus: die Banklizenz für den Schutzschirm EFSF. Dieser Streit ist unprofessionell, hochgefährlich, ja lebensmüde.