"Man braucht eine vernünftige Zahl von Fällen, mindestens einen pro Arbeitstag", sagte Professor Paul Devroey vom Zentrum für Reproduktionsmedizin der Universitätsklinik Brüssel der Financial Times Deutschland. "Man benötigt Routine, um diese Arbeit machen zu können, also mindestens 200 Fälle im Jahr pro Zentrum", sagte Devroey. Die Technik gehört zu einem der kompliziertesten Verfahren der Biotechnologie. Das Material für die aufwändigen Tests muss aus nur ein oder zwei Zellen gewonnen werden.
Der nationale Ethikrat wird am Donnerstag voraussichtlich empfehlen, die in Deutschland noch verbotenen Embryo-Gentests bei der künstlichen Befruchtung zuzulassen, den Einsatz aber auf schwerwiegende Fälle zu beschränken. Dabei wird immer wieder die Begrenzung auf 80 bis 100 Fälle im Jahr diskutiert, die der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, ins Gespräch gebracht hatte. Allein an dem Brüsseler Zentrum von Devroey, nur einer von sechs Anbietern der Präimplantationsdiagnostik (PID) in Belgien, werden jährlich rund 360 Embryo-Gentests durchgeführt. Auch in Deutschland ist an die Einrichtung mehrerer PID-Zentren gedacht.
Devroey sprach sich dagegen aus, den Einsatz der PID auf die Vermeidung schwerer erblicher Krankheiten zu begrenzen, die durch einzelne Gene ausgelöst werden. "Was ist der Grund, Embryos mit abnormalen Chromosomen einzupflanzen? Embryos, die sich nicht einnisten werden, die zu Fehlgeburten führen oder zu Down-Syndrom?", sagte Devroey. "Es gibt keinen Grund, diese Embryos einzupflanzen!"