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28.12.2010, 16:45
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Fachkräftemangel:
Ökonomen wünschen sich für 2011 mehr Zuwanderer
Braucht Deutschland mehr qualifizierte Einwanderer? Diese Frage wurde auch 2010 kontrovers diskutiert. Kurz vor Jahresende melden sich Wirtschaftsforschungsinstitute mit klaren Forderungen zu Wort.
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute fordern wegen des Fachkräftemangels in Deutschland eine verstärkte Zuwanderung von Arbeitnehmern auch aus dem nicht-europäischen Ausland. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, mahnte am Dienstag flexiblere Regelungen an.
Auch der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph M. Schmidt, warb für die Einführung eines Punktesystems ähnlich wie in Kanada oder Australien. Es könne "dafür sorgen, dass gezielt Fachkräfte mit in Deutschland benötigten Qualifikationen angeworben werden".
Franz, der auch Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ist, sagte: "Ein Punktesystem für eine gezielte Einwanderungspolitik nach dem Muster anderer Staaten halte ich prinzipiell für eine sinnvolle Methode, wobei die Einzelheiten abzuklären wären." Deutschland brauche "in erster Linie ausgebildete Fachkräfte und weniger Leute, die mehr oder weniger unmittelbar nach ihrer Zuwanderung von den hiesigen Systemen der sozialen Sicherung aufgefangen werden müssen".
RWI-Präsident Schmidt rechnet nur mit einem "moderaten Anstieg der Zuwanderung" nach Deutschland durch die ab Mai geltende Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus den osteuropäischen Staaten. Dies werde "nicht ausreichen, um den aufgrund des demografischen Wandels absehbaren Fachkräftemangel aufzufangen". Die bestehenden Regelungen für die Zuwanderung von Arbeitnehmern aus dem nicht-europäischen Ausland seien unzureichend - "vor allem deshalb, weil die Qualifikation der Zuwanderer eine zu geringe Rolle spielt".
Ähnlich äußerte sich der Konjunkturchef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Michael Bräuninger. Wichtig sei es, die jetzigen Zuwanderungsregelungen durch eine deutliche Senkung der Einkommensgrenzen zu lockern. Um Fachkräftemangel zu vermeiden, müssten allerdings auch deutsche Arbeitnehmer verstärkt qualifiziert und die Erwerbstätigkeit von Frauen verbessert werden.
Bräuninger betonte zugleich, die Beschäftigungssituation von Älteren müsse ebenfalls verbessert werden. Dabei seien "sowohl die Unternehmen in der Pflicht als auch die Arbeitnehmer, sich weiter und besser zu qualifizieren". Bräuninger kritisierte mit Blick auf den umstrittenen Vorstoß von CSU-Chef Horst Seehofer zur Rente mit 67, es sei "in keiner Weise sinnvoll" gewesen, die Verlängerung der Lebensarbeitszeit infrage zu stellen. Er mahnte: "Wir brauchen die Rente mit 67, sonst haben wir erhebliche Probleme in der Rentenversicherung."
Teil 2: Was SPD-Chef Gabriel zu den Forderungen sagt
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dapd, 28.12.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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