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Merken   Drucken   07.10.2009, 09:57 Schriftgröße: AAA

Fähigkeiten aus der Tierwelt: Eine Amöbe namens SPD  

Kommentar Wie ein Einzeller haben die Sozialdemokraten ihren einstigen Markenkern soziale Gerechtigkeit geteilt. Dies führt zur Selbstzerstörung einer inhaltsarmen Partei. von Christine Wichert und Emmy Illenseer
Christine Wichert ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Schweizer Beratung Logibrand. Emmy Illenseer ist Markenexpertin bei Logibrand.
Bionik ist in: Philosophen, Architekten und Ingenieure lernen von der Natur und lassen sich von ihr zu genialen Innovationen inspirieren. Undenkbar sind inzwischen Schwimmweltrekorde ohne Anzüge, die auf Basis der Haifischhaut entwickelt wurden, oder Flugzeuge ohne Winglets, die vom gleitenden Adler inspiriert wurden. So verwundert es nicht, dass auch Manager gern Führungsfähigkeiten aus der Tierwelt abschauen.
Die SPD-Spitze scheint sich bei ihrer Markenführung am Vorbild einer Amöbe zu orientieren, also an einem Einzeller, auch Wechseltierchen genannt. Dies führt zur Selbstzerstörung einer historisch bedeutsamen Partei. Die SPD wollte die Bundestagswahl gewinnen, aber nur starke Marken gewinnen Wahlen. Starke Marken haben profilierte Identitäten und erfüllen mehrere Voraussetzungen.
Erstens: Der Markenkern ist klar erkennbar und stillt die Bedürfnisse der Zielgruppe, die regelmäßig erforscht und ernst genommen werden müssen. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier  schien vor der Wahl die Umfrageergebnisse nicht ernst zu nehmen, als er sinngemäß polterte: Umfragen sind das eine, Wahlen das andere. Man habe "offensichtlich an den Menschen vorbeigeredet", räumten SPD-Sprecher nach der Niederlage ein.
Der Zellkern einer Amöbe ist meist schlecht erkennbar, oft gibt es sogar viele Kerne (bis zu 1000 und mehr). Der einstige SPD-Markenkern "soziale Gerechtigkeit" wurde mal in "Frieden" umkommuniziert oder bis zur Unkenntlichkeit defensiv umgemünzt in "Verhinderung von Schwarz-Gelb". So stark ist selbst nach der Wahl die Begehrlichkeit des Negativen, dass derzeit sogar ein lächelnder Guido Westerwelle auf der Internetseite der SPD zu bewundern ist. Die starke Marke FDP verdreht offenbar selbst der Konkurrenz den Kopf.
Zweitens: Das Parteiprogramm war nur in wenigen Punkten von anderen abgrenzbar und präsentierte ein Mosaik unterschiedlicher Punkte. Steinmeiers Motto "Wir verbinden das Soziale mit dem wirtschaftlich Vernünftigen besser als jede andere politische Kraft" zeigt, wie wenig Spagate überzeugen. Marken, die billig sein wollen und zugleich den besten Service bewerben, sind nicht überzeugend und werden abgestraft. "Sozial" ist in der Wahrnehmung der Bürger die Linke und "wirtschaftlich vernünftig" die FDP. Menschen verlieben sich in einzigartige Stärken und nicht in die Abwesenheit von Schwächen.
  • Aus der FTD vom 07.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 08.10.2009 10:14:39 Uhr   otti: Was für eine Marke!

    "Einzeller sind potenziell unsterblich", "die Markenamöbe SPD " auch.
    Als politische Untote wird sie weiterhin durch die Lande geistern.
    Welch ein Horror!
    Gruselig.

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