Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Institut
Die FTD-Recherchen entkräften ein zentrales Argument dieser Volkswirte weitgehend. Bisher war es Konsens, dass die drei Rettungstöpfe, der Euro-Staaten, der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF), nur knapp ausreichen, den gesamten Finanzbedarf der drei Länder bis 2013 zu decken. Dies hatte nach der Irland-Rettung im November dazu geführt, dass Investoren sich darum sorgten, ob der Rettungsschirm auch Hilfen an Spanien verkraften würde.
Ein Vergleich mit den Berechnungen von Ifo-Chef Sinn ergibt, dass die deutschen Professoren nicht den gesamten Finanzbedarf bis 2013 berücksichtigen - sie blicken nur auf die Kapitalmarktschulden von 310 Mrd. Euro, welche die drei Länder bis 2013 zurückzahlen müssen. Außer Acht lassen die Ökonomen, dass die Regierungen bis dahin jährliche Defizite ausweisen. Sinn selber veranschlagt eigentlich, dass der Staat in Spanien, Irland und Portugal neue Schulden von jährlich drei Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2013 aufnimmt - 124 Mrd. Euro für alle Länder. Somit kommt der Ifo-Chef auf einen Finanzbedarf von 434 Mrd. Euro.
Die Plenum-Zahlen beruhen auch auf Berechnungen von Mitunterzeichner Sinn, die er Anfang Februar auf der Internetseite der Vereinigung präsentiert hatte, wie Initiator Lucke der FTD bestätigte. Allerdings revidierte Sinn mittlerweile seine Schätzung in einer Kolumne auf der Ökonomenplattform Voxeu.org. Dort beziffert er die Kapazität des gesamten Rettungsschirms von EU, Euro-Staaten und IWF auf 484 Mrd. Euro - statt der 552 Mrd. Euro, auf denen der Aufruf basiert. Mitte Februar schrieb Sinn: "Von den 484 Mrd. Euro aus dem Rettungsfonds würden wir 434 Mrd. Euro brauchen." Diese Ergebnisse decken sich mit denen vieler Großbanken vom vergangenen November.