Je weniger Geld da ist, desto peinlicher gilt es darauf zu achten, wofür man es ausgibt. Eine solche Binsenweisheit würde wohl jede schwäbische Hausfrau unterschreiben, die gerade etwas klamm ist. Die äußerst klamme neue Bundesregierung dagegen gießt nun lieber mit einer besonders breitsiebigen Kanne Geld über deutsche Familien, statt sie gezielt zu fördern.
Eine gute Begründung dafür hat sie nicht. Jahr für Jahr kommen Untersuchungen wie die der OECD zu dem gleichen Ergebnis: Deutschland gibt so hohe Summen für Kinder aus wie kaum ein anderes Industrieland, trotzdem ist die Armutsquote hierzulande überdurchschnittlich hoch, und die Bildungschancen sind höchst ungleich verteilt. Man sollte meinen, dass es Familienpolitikern da irgendwann einmal dämmert, dass großzügigere direkte Zuwendungen wenig bewirken.
Leider ist es für Politiker kurzfristig immer opportun, beim Thema Kinder die Spendierhosen anzuziehen, koste es, was es wolle. Wer nach einer Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibeträgen ruft, demonstriert: Mag die Lage auch noch so schwer sein, an den Kindern sparen wir nicht! Nur helfen wird er ihnen damit kaum. Die möglichen Mehrausgaben sind mit 8 Mrd. Euro richtig teuer, für einzelne Familien dagegen kaum spürbar. Und der Bund hat keinerlei Einfluss darauf, wie die Empfänger das Geld verwenden.
Deutlich effektiver könnte der Staat die Chancen von Kindern fördern, wenn er mehr Mittel in die Betreuungsinfrastruktur stecken würde: Den Ausbau der Kindertagesstätten vorantreiben, das Angebot an Ganztagesschulen ausweiten, kleinere Lerngruppen ermöglichen - die Liste lässt sich beliebig erweitern. Sozial benachteiligte Kinder würden davon besonders profitieren, ebenso alleinerziehende Mütter, die aufgrund mangelnder Betreuungsangebote das höchste Armutsrisiko tragen. Erwarten konnte man sich solche Impulse von Schwarz-Gelb aber kaum. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer fordert ja noch immer eine Herdprämie für Mütter, die ihre Kinder zu Hause betreuen.