Es ist verdammt lang her, dass bei der FDP gejubelt wurde. Sieben verlorene Landtagswahlen in Folge, um genau zu sein. Dann der Sonntagabend in Kiel: Die FDP darf wieder feiern! Über acht Prozent. Eine kleine politische Sensation. Hurra, wir leben noch!
Der Mann, der die Liberalen wiederbelebt hat, kommt um kurz nach 18 Uhr in die Cocktailbar Galileo. Zu Hause in Strande hat Wolfgang Kubicki mit seiner Frau die ersten Prognosen abgewartet, dann ist er hierher geeilt zu seinen Unterstützern. Nicht in den schnöden Kieler Landtag wie die anderen. Kubicki ist eben der etwas andere Kandidat.
Nun feiern sie hier ihren neuen liberalen Helden. Etwas ungelenk zwar, als hätten sie das Jubeln fast schon verlernt. Aber dafür umso herzlicher. "Wolfgang, du bist der Beste", ruft ein älterer Herr und knutscht Kubickis Silberbart. Er hat es allen gezeigt. Als er vor ein paar Wochen als Zielmarke sechs bis neun Prozent ausgab, haben sie ihn noch alle verlacht. Diese Chefredakteure mit ihrer "arroganten, anmaßenden, überheblichen Art". "Das sind doch alles Tagdenker", ruft Kubicki jetzt seinen jubelnden Anhängern zu. "Wir denken über den Tag hinaus." Aber jetzt heiße es erst mal: "Trinken, bis der Arzt kommt."
Ausgerechnet Kubicki! Was haben sie ihn in der FDP nicht schon verflucht. Für seine ätzenden, mitunter verletzenden, manchmal auch sehr treffenden Sprüche. Als er das Ende der Westerwelle-Ära mit der "Spätphase der DDR" verglich oder verkündete, dass die FDP "als Marke verschissen" habe. Oder als er über den unglücklichen Parteichef Philipp Rösler kürzlich bemerkte, dass der Philipp "leider nicht mehr so locker" sei.
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Auch an diesem Abend erwähnt er den Parteichef - allerdings erst nach Guido Westerwelle und Hans-Dietrich Genscher. Der Sieg der Nord-FDP sei auch ein Erfolg für den Bundesvorsitzenden, sagt Kubicki in die Kameras. Und wegen dieser Putschgerüchte, die da in den Medien kursierten, solle der sich keine Sorgen machen. "Philipp Rösler kann in Ruhe schlafen."
Doch auch Kubickis beruhigende Worte dürften den Berliner Parteichef nicht viel lockerer machen. Denn mit Kubickis Sieg im Norden hat der ungefähr so viel zu tun wie ein Scheibenwischer mit der Beschleunigung eines Autos. Alle wissen: Die Wiederauferstehung der Liberalen im Norden fand trotz, nicht wegen Rösler statt.
Die Liberalen haben in diesem Wahlkampf nur auf einen gesetzt: Kubicki. Die "verschissene" Marke FDP mit ihrem Bundesvorsitzenden fungierte da eher als Störfaktor. "Wählen Sie doch, was Sie wollen", ließ der Kieler Fraktionschef frech plakatieren. Ich bin eher zufällig FDP-Mitglied, sollte das heißen. Und mit der Berliner Gurkentruppe habe ich schon mal gar nichts zu tun. Kubicki ist im nördlichsten Bundesland zur Eigenmarke geworden, die einen Bekanntheitsgrad von 93 Prozent hat. Sagt Kubicki.
So muss Parteichef Rösler jetzt auch in Berlin ohne seinen Kieler Wahlsieger feiern. Und wenn dann einer fragen wird: "Herr Rösler, wo ist denn eigentlich Herr Kubicki?" Dann wird Kubickis Abgesandter, FDP-Landeschef Heiner Garg, antworten: "Der schläft seinen Rausch aus." Der Parteichef wird dann wieder mal ganz blöd dastehen, weil der Wahlsieger sich nicht von diesem Bubi einen Blumenstrauß überreichen lassen will. Das wäre dem Kubicki zuwider, sagen Parteifreunde.