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Merken   Drucken   04.01.2012, 21:13 Schriftgröße: AAA

FDP in der Krise: Parteifreunde demontieren Rösler

Exklusiv Zahlreiche FDPler wenden sich von Philipp Rösler ab: Generalsekretär Döring spricht dem Parteichef Kämpferqualitäten ab. Zudem fordert der stellvertretende Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Rainer Brüderle ins Team zu holen. von Christiane von Hardenberg, Berlin
Kurz vor dem Dreikönigstreffen der Liberalen verliert der angeschlagene FDP-Chef Philipp Rösler den Rückhalt seiner Parteifreunde. Rösler sei "kein Kämpfer", sondern ein "Wegmoderierer", sagte der designierte Generalsekretär Patrick Döring in einem Interview mit dem Magazin "Stern". "Rösler muss ein starkes Team mit Rainer Brüderle und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bilden", sagte Schleswig-Holsteins stellvertretender Ministerpräsident Heiner Garg (FDP) der Financial Times Deutschland. "Damit holt er sich politik- und lebenserfahrene Leute in sein Team."
FDP-Parteichef Philipp Rösler   FDP-Parteichef Philipp Rösler
Der ohnehin heftig kritisierte Rösler will am Freitag auf dem Dreikönigstreffen in Stuttgart in einer rund einstündigen Rede seiner Partei einen Weg aus der Dauerkrise aufzeigen und die FDP wieder auf Kurs bringen. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage von "Stern" und RTL liegen die Liberalen derzeit nur bei drei Prozent. Viele Parteimitglieder zweifeln daran, dass Rösler die nötigen Führungsqualitäten hat, die Liberalen aus dem Umfragetief herauszuholen. Sie sehen in dem Fraktionsvorsitzenden Brüderle den eigentlichen starken Mann.
Diese Zweifel am FDP-Chef will auch der frisch gebackene Generalsekretär Döring offenbar nicht zerstreuen, den Rösler selbst Mitte Dezember in das Amt gehoben hat. Röslers langjähriger Freund zeigte sich im Interview mit dem "Stern" sehr gesprächig und plauderte aus dem Nähkästchen. Der FDP-Vorsitzende habe auf parteiinterne Kritik und Machtkämpfe dünnhäutig reagiert, sagte Döring offenherzig. Hinter jeder Kritik eines Kreisvorsitzenden habe Rösler eine Intrige gewittert.
In dem Gespräch äußerte sich der Generalsekretär zudem sehr kritisch über seinen Vorgänger Christian Lindner, der im Dezember überraschend seinen Job hingeworfen hatte. Lindner habe "nie eine politische Schlacht schlagen müssen". Ihm sei "alles zugeflogen, noch mehr als Philipp alles zugeflogen ist", sagte Döring freimütig. Zweifel an Röslers Erfahrung äußerte auch Schleswig-Holsteins Vizeministerpräsident Garg. "Vom Dreikönigstreffen muss die klare Botschaft ausgehen, dass die Zeit der Selbstbeschäftigung vorbei ist", sagte Garg. Die FDP müsse wieder Themen setzen. Mit Blick auf die verheerenden Umfragewerte der Bundespartei und die anstehende Landtagswahl in Kiel im Mai fügte er hinzu: "Viel Zeit hat Rösler nicht mehr."
Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, sieht die Liberalen ebenfalls unter massiven Zeitdruck. "Die FDP ist zum ersten Mal in ihrer Existenz gefährdet", sagte Güllner. Noch nie habe die Partei so lange unter fünf Prozent gelegen. Besonders blamabel sind die Umfragewerte für die FDP-Spitze: Die Deutschen schenken Parteichef Rösler und Außenminister Guido Westerwelle noch weniger Vertrauen als Linken-Fraktionschef Gregor Gysi.

Falsch verstanden
Gesagt Im Interview mit dem "Stern" sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring über seinen Vorgänger Christian Linder, dieser sei nur vom Amt zurückgetreten, um zügig FDP-Chef werden zu können.
Gemeint Später nahm er die Äußerung zurück. Er habe nur verschiedene Motive für den Rücktritt darlegen wollen, die in der Partei diskutiert würden, sagte er den "Stuttgarter Nachrichten".
  • Aus der FTD vom 05.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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