St. Marien in Lübeck geht schon seit langem ungewöhnliche Wege - wie hier bei einem Motorrad-Gottesdienst
Der "Marientaler" soll für die Pflege und Erhaltung der Kirche und ihrer Kunstschätze verwendet werden. Das zwischen 1250 und 1350 im Stil der norddeutschen Backsteingotik erbaute Gotteshaus ist mit der Altstadt Teil des Lübecker Unesco-Weltkulturerbes. Es beherbergt das mit 38,5 Metern höchste Backsteingewölbe der Welt, die Türme sind fast 125 Meter hoch.
Allerdings: St. Marien ist mit 2234 Gliedern eine kleine Gemeinde, muss aber eine der größten und - mit einer Million Besuchern im Jahr - auch eine der meistbesuchten Kirchen Deutschlands unterhalten. "Der Jahreshaushalt liegt im oberen sechsstelligen Bereich", sagt Pastorin von Kortzfleisch. Die Kirchensteuer decke davon nur 17 Prozent. Den Rest müsse die Gemeinde selber aufbringen, die Bereitschaft zur Spende gehe zurück.
Im Schnitt geben die Besucher pro Nase nach Berechungen der Kirche weniger als einen Cent für St. Marien aus. Eine testweise eingeführte Gruppengebühr habe sich nicht bewährt, sagt die Pastorin. So hätten sich Gruppen vor der Kirche "aufgelöst" - und die Besucher seien einzeln in die Kirche gegangen.
Eintrittsgelder für Kirchen sind in Deutschland selten. So kostet der Besuch des Berliner Doms im Herzen der Hauptstadt eine "Domerhaltungsgebühr" von 5 Euro. In Lübeck sollen von der Regelung neben Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren auch Gottesdienstbesucher, Mitglieder der Gemeinde und Personen ausgenommen werden, die ausschließlich beten möchten.
Allerdings weiß in der Gemeinde noch niemand, wie das kontrolliert werden soll. Denn was, wenn jemand eine Minute betet und sich danach 20 Minuten die Kirche anschaut? Oder wenn er nur tut, als richte er seine Gedanken gen Himmel? Die Pastorin setzt auf Ehrlichkeit. "Das Ganze basiert auf Vertrauen", betont sie. "Wenn jemand kommt und sagt, er will beten, dann ist das so." Und schließlich steht in den zehn Geboten: "Du sollst kein falsches Zeugnis geben."