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Merken   Drucken   21.09.2011, 13:15 Schriftgröße: AAA

Finanztransaktionssteuer: Schluss mit der Steueralchemie

Kommentar Führt Deutschland die Finanztransaktionssteuer im Alleingang ein, bliebe sie wirkungslos. Aber nicht nur deshalb sollte die Bundesregierung davon die Finger lassen.
von Konstantin Mettenheimer

Konstantin Mettenheimer ist Partner der Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer.

Erst die Brennelementesteuer, dann die Luftverkehrsteuer, und nun soll es die Finanztransaktionsteuer richten: Ohne viel Aufsehen, begründet mit gesellschaftspolitischer Notwendigkeit, erfindet der Bund innerhalb weniger Monate mehrere Steuern. Das garantiert Mehreinnahmen, ohne die großen Steuern anzutasten - und Wähler zu verprellen. Sind diese Steuern vielleicht sogar volkswirtschaftlich sinnvoll, moralisch richtig und verfassungsrechtlich zulässig? Leider nicht.

Wenn die Finanztransaktionsteuer nicht weltweit gleichzeitig eingeführt wird, wird sie versagen. Wie in Schweden, wo 1984 eine Börsenumsatzsteuer eingeführt wurde, von der man sich Jahreseinnahmen von 165 Mio. Euro erhoffte. Die höchste je erzielte Summe waren 9 Mio. Euro. Denn binnen einer Woche waren 85 Prozent der Umsätze nach London abgewandert. Gleiches droht der Finanztransaktionsteuer: Die Umsätze werden nach New York oder Singapur gehen.

Konstantin Mettenheimer, Partner der Anwaltssozietät Freshfields ...   Konstantin Mettenheimer, Partner der Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer

Angenommen, Deutschland ginge trotzdem mit gutem Beispiel voran - obwohl der hiesige Finanzplatz dadurch enormen Schaden nähme, weil große Teile des Wertpapierhandels abwanderten: Ökonomen sind sich einig, dass es nicht hilft, einfach Sand ins Getriebe zu streuen. Wenn alles langsamer und mit größeren Reibungsverlusten läuft, ist Fehlentwicklungen in der Finanzbranche längst noch kein Riegel vorgeschoben.

Der Staat erhöht die Finanzierungskosten für sich und die Realwirtschaft. Damit die Steuer funktioniert, muss sie außerdem lückenlos sein. In London werden Aktiengeschäfte besteuert, Derivate aber nicht. Dabei entspricht der Handel in Differenzgeschäften einem Vielfachen dessen mit Aktien. Eine umfassende Steuer, die Derivate berücksichtigt, ist technisch und verfassungsrechtlich unmöglich.

Viele wollen die Verursacher der Krise an den Kosten beteiligt sehen. Die Krise wurde aber nicht von Kapitalmarktteilnehmern im Allgemeinen, sondern schlechten und falsch bewerteten Instrumenten wie etwa US-Subprime-Krediten verursacht. Wichtiger noch: Eine solche Steuer trifft nicht die sogenannten Spekulanten, sondern die normalen Investoren: die großen Versicherungen ebenso wie die Kleinsparer, die in einem Fonds Aktien oder Anleihen halten.

Teil 2: Steuern dienen nicht der Moral

  • FTD.de, 21.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 22.09.2011 17:59:56 Uhr   John Doe: Banken

    Lieber Herr Anwalt,

    es muss schon sehr weit gekommen sein, wenn Banken ihre Anwälte vorschicken, um Leute mit Drohungen ein zu schüchtern. Es ist in der ftd das zweite Mal, dass eine Bankenanwaltskanzlei Drohungen aus stoßen darf. Tenor: Wenn ihr uns das Zocken vermiest, dann gehen wir einfach dahin, wo wir ungestört zocken dürfen!

    Herr Anwalt, hauen Sie mit ihren Banken bitte sofort ab, je eher desto besser, am besten Gestern!

    Wo wollen Sie mit den maroden deutschen Banken eigentlich hin? Wer ist bereit die marode Deutsche Bank, die Commerzbank überhaupt im Wege einer Art "Asyl" auf zu nehmen? Die DB hat sich vor Kurzem bei der FED rund $66 Billions geliehen!

    In die USA, noch ne BofA, nein danke!
    Frankreich, noch ne BNP, nein danke!
    Schweiz, noch ne USB, nein danke!
    Irland, haben gerade marode Banken mit viel Geld gerettet, noch mal, nein danke!
    Island, dto.!

    Was muss in den Köpfen der Banker und ihrer Anwälte vor gehen, wenn Sie nur noch in der Lage sind Drohungen aus zu stoßen?

  • 21.09.2011 20:49:49 Uhr   ArnoSchaefer: Diese Steuer braucht es
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