Relikt: In der Verwaltung werden echte Stempel dank moderner Computer seltener. Das Leben für Unternehmer wird einfacher
Statt 45 Tagen dauere eine Gründung in Deutschland im Schnitt jetzt nur noch 24 Tage, schreibt die Weltbank in einem neuen Standortvergleich, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Auch seien die Kosten gefallen, die Firmen entstehen, wenn sie Beschäftigte entlassen.
Lobend erwähnt die Weltbank zudem die deutschen Arbeitsmarktreformen. Mit der Weltbank äußert sich nach Jahren der Kritik eine weitere internationale Instanz ausdrücklich positiv zur Entwicklung in Deutschland. Im Frühjahr hatte die Industrieländerorganisation OECD diagnostiziert, dass in kaum einem anderen Land in den vergangenen zehn Jahren so viele Arbeitsmarktreformen umgesetzt worden seien wie in Deutschland. Mitte August sorgte ein Titel des britischen Magazins "Economist" zur "überraschenden deutschen Wirtschaft" für Aufsehen.
Weltbank lobt Reformen
Die Weltbank hat eine Reihe wichtiger Faktoren ausgewertet, die das staatlich festgelegte Umfeld für Unternehmen definieren. In der Gesamtwertung haben sich die Deutschen danach so stark verbessert, dass sie nun zu den ersten 20 von 155 Ländern in der Rangliste zählen.
Beim Zeitaufwand für Firmengründungen liegen die Deutschen laut Weltbank jetzt nur noch knapp über dem OECD-Schnitt von 19 Tagen. Die Besserung fällt gemessen an anderen europäischen Ländern dabei besonders stark aus. Während in der EU insgesamt die durchschnittliche Dauer einer Gründung seit 2003 um 15 Prozent fiel, sank der Zeitaufwand in Deutschland um 47 Prozent.
Mehr noch: Die Kosten für eine Unternehmensgründung liegen mit 4,7 Prozent des jährlichen Pro-Kopf-Einkommens in Deutschland nunmehr spürbar unter dem Schnitt der Industrieländer von 6,5 Prozent. Und: Diese Kosten könnten bald weiter sinken. Dazu werde die angestoßene Reform beitragen, nach der Unternehmensmeldungen künftig nicht mehr in Tageszeitungen veröffentlicht werden müssten, schreiben die Weltbank-Experten.
Arbeitsmarktreformen positiv bewertet
Besonders loben die Ökonomen zudem die Arbeitsmarktreformen: "Deutschland war 2004 hier der Topreformer". Positiv sei vor allem, dass es für neu gegründete Unternehmen jetzt einfacher sei, Beschäftigte befristet einzustellen. Auch könnten ältere Arbeitnehmer schneller eingestellt werden.
Nach Berechnung der Weltbank sind die Kosten einer Entlassung in Deutschland von 80 Wochenlöhnen 2004 auf jetzt noch 67 Wochenlöhne gesunken. Das ist spürbar mehr als etwa in Großbritannien mit 34 Wochenlöhnen, allerdings ist der Trend eindeutig: Bei den Briten stiegen die Entlassungskosten in jüngster Zeit um fast 50 Prozent.
Auffallend ist nach Einschätzung von Experten, mit welch geringen Gesetzesänderungen sich die Deutschen in der Weltbank-Wertung verbessern konnten. "Bei den Gesetzen zur Unternehmensgründung hat sich nur wenig verändert", sagte Kai Christian Jaenecke, Vorstand bei PricewaterhouseCoopers Legal, einer Anwaltsgesellschaft, die der Weltbank bei der Studie zugearbeitet hat. "Der Großteil der Verbesserungen dürfte auf organisatorische und technische Veränderungen bei den Handelsregistern zurückzuführen sein."
Platz drei beim Business Competitiveness Index
Besonders vorteilhaft sei dabei die Ausstattung der Justizverwaltungen mit modernen Computern und anderer Technologie gewesen. Regierung wie Opposition werteten die Weltbank-Studie jeweils als Stütze für die eigenen Positionen. Während SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter die Daten als "Bestätigung des Reformkurses der SPD-geführten Regierung" bezeichnete, kritisierte der wirtschaftspolitische Sprecher der Union, Ronald Pofalla, die Reformen gingen nicht weit genug. Deutschland nehme immer noch "einen Platz in der hinteren Reihe" ein.
Die Weltbank-Studie bestätigt indes einen Trend, den vor ein paar Monaten auch die globale Standortrangliste des World Economic Forums gespiegelt hatte. Das Forum hat dabei seinen bisherigen Index zur allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit erstmals um Fragen zur betriebswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ergänzt. Dazu zählen die Innovationsfähigkeit, die Markenqualität sowie eine gute Infrastruktur und hohe Rechtssicherheit. Beim entsprechenden Business Competitiveness Index rangierten die Deutschen schon 2004 weit oben: auf Platz drei.